250 Frauen fordern radikale Reformen gegen männliche Gewalt in Deutschland
Oliver Linke250 Frauen fordern radikale Reformen gegen männliche Gewalt in Deutschland
Ein Bündnis aus 250 prominenten Frauen hat einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, um männliche Gewalt in Deutschland zu bekämpfen. Zu der Gruppe gehören Politikerinnen, Prominente und Aktivistinnen, die sich für weitreichende Rechtsreformen einsetzen. Ihre Forderungen umfassen schärfere Strafen für sexualisierte Gewalt, digitale Misshandlung sowie die Anerkennung von Femizid als eigenständiges Straftatbestand.
Zu den bekanntesten Unterstützerinnen zählen SPD-Vorsitzende Bärbel Bas, die Co-Vorsitzende der Grünen Franziska Brantner, Schauspielerin Veronica Ferres und Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Die Vorschläge haben durch aktuelle Skandale an Dringlichkeit gewonnen – darunter der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes, deren durch KI erzeugte Deepfake-Bilder öffentliche Empörung auslösten.
Die Koalition fordert eine grundlegende Reform des Sexualstrafrechts, beginnend mit der Einführung eines "Ja-heißt-Ja"-Modells. Demzufolge müsste Zustimmung in sexuellen Begegnungen klar und aktiv erteilt werden. Zudem soll Femizid als eigener Straftatbestand anerkannt werden, um geschlechtsspezifische Tötungen mit höheren Strafen zu ahnden.
Im Bereich digitaler Gewalt verlangt die Gruppe ein Verbot von KI-"Entkleidungs"-Apps, die ohne Einwilligung Personen auf Fotos freizügig darstellen. Zudem setzen sie sich für ein Digitales Schutzgesetz ein, das Plattformen verpflichtet, schädliche Inhalte zügig zu löschen und bei der Identifizierung von Tätern zu helfen.
Die Bundesregierung hat bereits auf einige dieser Forderungen reagiert. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt an, der in der Woche des 23. März 2026 im Kabinett beraten werden soll. Der geplante § 184k StGB würde die Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes und intimer Aufnahmen ohne Zustimmung unter Strafe stellen – mit Haftstrafen von bis zu zwei Jahren. Dieser Schritt steht im Einklang mit einer EU-Richtlinie, die solche Gesetze bis 2027 vorschreibt, und folgt Koalitionsvereinbarungen zur Stärkung der Cyberkriminalitätsgesetzgebung.
Der Entwurf wurde nach dem Collien-Fernandes-Skandal beschleunigt vorangetrieben, bei dem KI-generierte gefälschte Nacktbilder der Schauspielerin im Netz verbreitet wurden. Die Regierung will damit rechtliche Lücken bei bildbasierter sexualisierter Gewalt schließen und Opfern besseren Schutz bieten.
Sollten die neuen Gesetze verabschiedet werden, wäre dies ein bedeutender Wandel im Umgang Deutschlands mit sexualisierter und digitaler Gewalt. Die Kriminalisierung von Deepfakes und nicht einvernehmlichen Intimbildern würde strengere Regeln für Online-Missbrauch setzen. Gleichzeitig könnten die weiteren Forderungen des Bündnisses – darunter das "Ja-heißt-Ja"-Modell und Femizid-Gesetze – den rechtlichen Schutz für Frauen grundlegend neu gestalten.
Der Regierungsentwurf soll Ende März vorankommen, während über die übrigen Vorschläge voraussichtlich weiter diskutiert wird.






