ARD und ZDF riskieren Qualität für junge Zuschauer – lohnt sich der Wandel?
Hubertus CasparARD und ZDF riskieren Qualität für junge Zuschauer – lohnt sich der Wandel?
ARD und ZDF setzen auf neue Formate, um jüngere Zuschauer zu gewinnen – doch bleibt die journalistische Qualität auf der Strecke?
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF passen ihre Strategie an, um jüngere Zielgruppen zu erreichen. Mit neuen Reportageformaten setzen sie auf persönliche Erzählweisen und emotionale Ansprache. Eine aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung untersucht nun, ob dieser Wandel journalistische Standards wahrt und gleichzeitig beim Publikum ankommt.
Im Fokus der Analyse stehen fünf Formate: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Diese Sendungen rücken die Reporter:innen selbst in den Mittelpunkt, verbinden persönliche Perspektiven mit faktenbasierter Berichterstattung. Besonders junge Zuschauer:innen reagieren positiv – sie empfinden die Formate als authentischer und glaubwürdiger als klassische Nachrichten.
Doch der Ansatz birgt Risiken: Dominiert die subjektive Sicht der Reporter:innen, droht das eigentliche Thema in den Hintergrund zu geraten. Kritiker:innen monieren zudem, dass einige Formate an Tiefe und einer klaren redaktionellen Linie mangeln.
Hinter dem Trend stehen tiefgreifende Veränderungen im Mediennutzungsverhalten. Die lineare TV-Nutzung bei 14- bis 29-Jährigen ist stark zurückgegangen, während Streaming stark zulegt – von durchschnittlich vier Minuten täglich Anfang 2016 auf 36 Minuten Mitte 2024. Gleichzeitig verzeichneten Formate wie Terra X in der Mediathek einen Anstieg von 6,34 Millionen Aufrufen (2010) auf über 30 Millionen (2023). Erste Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass junge Zuschauer:innen die wiederholten "ich-bezogenen" Erzählformen allmählich überdrüssig werden.
Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen nun vor der Herausforderung, Authentizität mit journalistischer Sorgfalt in Einklang zu bringen. Zwar ziehen persönliche Geschichten junge Zielgruppen an, doch sie stellen traditionelle Prinzipien der Objektivität auf die Probe. Ob die neuen Formate langfristig überzeugen, hängt davon ab, ob sie es schaffen, die Zuschauer:innen zu binden – ohne dabei an Tiefe oder Glaubwürdigkeit einzubüßen.






