Autor attackiert Paragraf 188: "Das Gesetz schadet der Demokratie, statt sie zu schützen"
Oliver LinkeAutor attackiert Paragraf 188: "Das Gesetz schadet der Demokratie, statt sie zu schützen"
Ein deutscher Autor hat sich gegen Paragraf 188 des Strafgesetzbuchs ausgesprochen und argumentiert, dass dieser eher Feindseligkeit gegenüber Politikern schüre als sie zu schützen. Die Kritik folgt auf einen persönlichen Rechtsstreit, nachdem der Autor einen CDU-Politiker in einem ein Jahr später wiederaufgetauchten Tweet als „rassistisches Arschloch“ bezeichnet hatte. Der Fall hat die Debatte um das umstrittene Gesetz neu entfacht, das es der Staatsanwaltschaft ermöglicht, Beleidigungen auch ohne formelle Anzeige zu verfolgen.
Die rechtlichen Probleme des Autors begannen vor vier Jahren, als er einen Strafbefehl über 90 Tagessätze für den Tweet gegen Philipp Amthor erhielt. Nach deutschem Recht werden mehr als die Hälfte aller Strafverfahren auf diese Weise erledigt – ohne Prozess oder Richter. Wird innerhalb von zwei Wochen kein Einspruch eingelegt, wird das Urteil rechtskräftig, selbst wenn Gesetze wie Paragraf 188 vage formuliert und auslegungsfähig sind.
Der Prozess endete zwar zugunsten des Autors, doch warnte er, dass normale Bürger oft nicht über die Mittel verfügen, um sich gegen solche Vorwürfe zu wehren. Sein Fall offenbarten zudem Widersprüche in der Rechtsdurchsetzung: Während er keine Konsequenzen für die Bezeichnung eines AfD-Politikers als „Nazi“ tragen musste, führte der alte Amthor-Tweet zu juristischen Schritten. Paragraf 188 sieht strengere Strafen vor als andere Beleidigungstatbestände, verjährt erst nach fünf Jahren und ermöglicht eine Verfolgung von Amts wegen – das heißt, der Staat kann auch ohne Anzeige des Betroffenen aktiv werden.
Die Kritik an dem Gesetz beschränkt sich nicht auf Deutschland. Der UN-Sonderberichterstatter für Meinungsfreiheit hat Paragraf 188 bereits verurteilt und argumentiert, dass er unter dem Deckmantel des Schutzes von Amtsträgern legitime Kritik ersticken könnte.
Die Erfahrungen des Autors zeigen, wie weitreichend die Auswirkungen von Paragraf 188 sind: Selbst kleine Social-Media-Posts können jahrelange rechtliche Unsicherheit nach sich ziehen. Da die meisten Fälle durch Strafbefehle geregelt werden, akzeptieren Angeklagte oft lieber die Geldstrafe, als ein Prozessrisiko einzugehen. Die harten Strafen und die lange Verjährungsfrist bedeuten, dass ähnliche Konflikte noch Jahre nachwirken könnten.






