Bachmannpreis 2024: Frauenjury krönt mutige Texte über Diskriminierung und Identität
Siegrid RöhrichtBachmannpreis 2024: Frauenjury krönt mutige Texte über Diskriminierung und Identität
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur endeten mit bemerkenswerten Preisen und Debatten
Die diesjährige Verleihung des Bachmannpreises wurde von einer siebenköpfigen Frauenjury begleitet, die Texte von ungewöhnlich hoher Qualität bewertete. Wirtschaftliche Überlegungen prägten dabei die Diskussionen und Urteile mit.
Den Hauptpreis sowie den Publikumspreis sicherte sich Schaette mit ihrem Text Was wir tragen, einer Auseinandersetzung mit der lebenslangen Diskriminierung von Menschen mit Übergewicht. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, die Geschichte eines schwulen Vaters und seiner Kämpfe.
Magdalena Schrefel gewann den 3sat-Preis für Kirschen, Herz in der Schlinge, eine Reflexion über Brustkrebs und die Schwierigkeit, offen darüber zu sprechen. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihre Schilderung der täglichen Demütigungen eines „Ostblock-Mädchens“ ausgezeichnet. Slata Roschal hingegen verweigerte nach ihrer Lesung die Konfrontation mit der Jury und kritisierte die Behandlung von Autor:innen durch den Literaturbetrieb.
Die Veranstaltung griff auch frühere Debatten über Kunst und Gesellschaft auf. Burkhard Spinnen hatte einst zu „frontaler Opposition gegen alles“ in der Kunst aufgerufen – inklusive Widerstand gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Zwänge. In diesem Jahr wurden die Jurygespräche jedoch stark von ökonomischen Erwägungen geprägt, ein Novum im Vergleich zu früheren Ausgaben.
Die Auszeichnungen spiegelten vielfältige und persönliche Erzählungen wider – von Krankheit über Identität bis hin zu sozialer Diskriminierung. Die rein weibliche Jury und das gestiegene Niveau der Einreichungen machten den diesjährigen Wettbewerb besonders. Wirtschaftliche Themen spielten bei den Bewertungen eine größere Rolle als je zuvor.
