30 March 2026, 20:36

Berlin erzwingt Lehrstellen: Neue Abgabe soll Unternehmen unter Druck setzen

Schwarzes und weißes Foto eines Fabrikinneren mit Arbeitern, die an einer Maschine arbeiten, Metallstangen und Pfähle, beschriftet mit "Neue Eisenglebeerei, die erste Fabrik in Deutschland" unten.

Berlin erzwingt Lehrstellen: Neue Abgabe soll Unternehmen unter Druck setzen

Berlin führt Ausbildungsabgabe ein, um Unternehmen zu mehr Lehrstellen zu verpflichten

Berlin hat eine neue Ausbildungsabgabe eingeführt, um Unternehmen dazu zu bringen, mehr Lehrstellen anzubieten. Die vom Abgeordnetenhaus beschlossene Regelung bestraft Betriebe, die ab 2028 eine Ausbildungsquote von 4,6 Prozent nicht erreichen. Kritiker bemängeln, dass die Politik die Realitäten moderner Start-ups und einen sich wandelnden Arbeitsmarkt ignoriert.

Nach dem neuen Gesetz müssen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten sicherstellen, dass 4,6 Prozent ihrer Belegschaft aus Auszubildenden bestehen. Wer diese Quote verfehlt, zahlt in einen Fonds ein, der voraussichtlich jährlich rund 75 Millionen Euro einbringen soll. Berlins aktuelle Ausbildungsquote liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von 4,6 Prozent – ein Grund für die Regierung, aktiv zu werden.

Mehrere Start-up-Gründer haben sich gegen die Maßnahme ausgesprochen. Moritz Kreppel, Mitbegründer von Urban Sports Club, wirft der Abgabe vor, Unternehmen unfair zu belasten, in denen klassische Ausbildungsberufe schlicht nicht passen. Ralph Hage von Lap Coffee, einem auf Automatisierung und moderne Ausbildungsmethoden spezialisierten Unternehmen, nannte die Politik ein "falsches Signal", das alternative Wege der Kompetenzentwicklung nicht anerkenne.

Andere Unternehmer stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Marius Meiners, Mitgründer von Peec AI, räumte ein, dass die spezialisierte Arbeit seines Teams die Einstellung von Auszubildenden unpraktisch mache – er werde stattdessen wohl die Strafe zahlen. Agnieszka Walorska vom Fintech-Unternehmen Mika verwies auf ein grundlegendes Problem: Immer weniger junge Menschen in Berlin interessierten sich für klassische Ausbildungen, sodass Betrieben schlicht die Bewerber fehlen.

Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Unternehmen Zeit, ihre Einstellungspraxis anzupassen. Wer die Ausbildungsquote nicht erfüllt oder nicht erfüllen will, speist einen gemeinsamen Topf, der Lehrstellen in der gesamten Stadt fördern soll. Ob die Maßnahme Erfolg hat, hängt davon ab, ob sie die Kluft zwischen Berlins niedriger Ausbildungsquote und den Anforderungen einer sich rasant wandelnden Arbeitswelt überbrücken kann.

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