01 February 2026, 17:19

Berliner Theater Thikwa inszeniert die Weltuntergangsangst als provokantes Spektakel

Ein Gemälde einer vielseitigen Gruppe von Menschen in einem hell erleuchteten Theater, einige stehend und einige sitzend, alle in feiner Kleidung, die eine lebendige und einladende Atmosphäre schaffen.

Berliner Theater Thikwa inszeniert die Weltuntergangsangst als provokantes Spektakel

Eine kühne neue Inszenierung in Berlin bringt das Publikum zum Jubeln

We Crisis Actors: Lookalike in Anger! vereint wilder Humor mit schonungslosen Themen – von Verschwörungstheorien bis zu globalen Katastrophen. Der Höhepunkt der Vorstellung, eine kollektive Darbietung von Freddie Mercurys The Show Must Go On, löste stehende Ovationen aus.

Das Theater Thikwa, bekannt für seinen experimentellen und inklusiven Ansatz, arbeitete für diese Produktion mit dem Künstlerkollektiv andcompany&Co. und Turbo Pascal zusammen. Die Aufführung beginnt mit Chaos und Satire, die alles infrage stellt – von der Mondlandung bis zu rechtsextremen Mythen über "Krisendarsteller", ein Begriff aus US-amerikanischen Verschwörungskreisen, der behauptet, Schauspieler würden reale Tragödien vortäuschen.

Im Verlauf der Vorstellung ändert sich der Ton. Alexander Karschnia liefert eine scharfsinnige Monolog über die Verfälschung der Realität durch solche Theorien. Dann rückt die Inszenierung drängende reale Krisen in den Fokus: den Klimakollaps, systemische Versagensfälle und die Bedrohung durch Atomkrieg. Durch Reality-TV-Elemente, Greenscreen-Sequenzen und direkte Publikumseinbindung zwingt sie die Zuschauer, sich unangenehmen Wahrheiten zu stellen.

Der Höhepunkt gipfelt in einer rohen, emotionalen Gruppenperformance von The Show Must Go On. Der Song, verbunden mit den Themen der Vorstellung, hinterlässt einen bleibenden Eindruck und rahlt die gesamte Erfahrung als Probe für undenkbare Katastrophen ein – als eine Art, reale Schrecken zu verarbeiten.

Die Inszenierung fordert das Publikum heraus, sich mit inszenierten wie echten Krisen auseinanderzusetzen. Durch Satire, Partizipation und schonungslose Ehrlichkeit entlarvt sie die Zerbrechlichkeit der Wahrheit in einer Ära der Desinformation. Die stehenden Ovationen zeigten, wie sehr die Vorstellung noch lange nach dem Fall des Vorhangs zum Nachdenken anregt.