Biogasanlagen in Deutschland kämpfen um ihr Überleben nach Förderstopp

Oliver Linke
Oliver Linke
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Eine Liniengrafik, die die Stromerzeugung aus Biomasse von 2021 bis 2022 zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Datendetails bereitstellt.Oliver Linke

Biogasanlagen in Deutschland kämpfen um ihr Überleben nach Förderstopp

Hunderte Biogasanlagen in Deutschland stehen vor einer ungewissen Zukunft, da wichtige staatliche Fördergelder auslaufen. Bis 2031 verlieren allein in Schleswig-Holstein rund 700 Anlagen ihre Unterstützung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) – ihre Existenz ist damit gefährdet. Der Wandel vollzieht sich inmitten verschärfter Umweltauflagen und sinkender Erträge, was Betreiber zwingt, ihre Geschäftsmodelle grundlegend zu überdenken oder ganz zu schließen.

Seit 2006 sind Biogasanlagen ein stabiler Bestandteil des deutschen Energiemix. Allein in Schleswig-Holstein profitierten etwa 1.300 Anlagen von staatlichen Zuschüssen. Doch mit dem Ende der 20-jährigen EEG-Förderung ab 2026 droht vielen der wirtschaftliche Kollaps. In Baden-Württemberg fallen bereits bis 2027 260 Anlagen aus der Förderung, bis 2031 folgen weitere 354. Ohne diese Einnahmen könnte ein Großteil der Betreiber kaum überleben.

Trotzdem bleiben die Anlagen für die Versorgungssicherheit unverzichtbar – besonders während sogenannter "Dunkelflauten", wenn Wind- und Solarstrom kaum verfügbar sind. Im Gegensatz zu Großbatterien ermöglicht Biogas eine langfristige Speicherung und dient damit als zuverlässige Reserve. Um sich anzupassen, modernisieren einige Betreiber ihre Kapazitäten und reduzieren gleichzeitig die Betriebszeiten. Anreize wie Flexibilitätsprämien belohnen dabei eine bedarfsgerechte Produktion.

Die neuen Förderregeln begrenzen zudem den Maisanteil in den Inputmaterialien auf 25 Prozent und drängen die Anlagen so zu Alternativen wie Gülle, Zuckerrüben oder Getreide. Betreiber loten neue Einnahmequellen aus: etwa die Einspeisung von Biomethan ins Gasnetz, die Produktion von komprimiertem Erdgas (CNG) für Fahrzeuge oder der Aufbau kleinerer Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen in der Region.

Doch der Umbruch wird nicht einfach. Wettbewerbsorientierte Ausschreibungen, strengere Umweltvorgaben und schrumpfende Gewinne könnten viele Anlagen in die Insolvenz treiben. Schließungen würden vor allem lokale Wärmenetze und die dezentrale Stromversorgung in ländlichen Gebieten hart treffen.

Die kommenden Jahre werden für die deutsche Biogasbranche zur Bewährungsprobe: Während die Subventionen schrittweise entfallen und der Marktdruck wächst, müssen Betreiber modernisieren, umsteigen oder aufgeben. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen könnte der Verlust dieser Anlagen die regionale Energiesicherheit schwächen und Lücken in der deutschen Erneuerbaren-Strategie hinterlassen.

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