Biogasbranche steht vor radikaler Wende: Vom Grundlastlieferant zur flexiblen Energiespeicherlösung
Oliver LinkeBiogasbranche steht vor radikaler Wende: Vom Grundlastlieferant zur flexiblen Energiespeicherlösung
Thomas Karle, Präsident des Fachverbandes Biogas, hat seine größte Herausforderung umrissen: die Umgestaltung der Biogasbranche. Sein Ziel ist es, die Anlagen von der konstanten Grundlastversorgung wegzuführen und sie zu flexiblen Speicherlösungen für die Energieversorgung umzubauen. Dieser Wandel, so argumentiert er, werde die Rolle von Biogas im deutschen Erneuerbaren-Mix neu definieren.
Karles Vision sieht einen grundlegenden Umbau des bestehenden Biogassystems vor, das seit zwei Jahrzehnten weitgehend unverändert funktioniert. Sein Vorhaben ist es, Biogas als zentralen Akteur im "Dreieck der Erneuerbaren" neben Wind- und Solarenergie zu etablieren.
Um dies zu erreichen, will er das Biogasmolekül vielseitiger nutzen. Statt nur Strom ins Netz einzuspeisen, könnte es die Industrie versorgen, als Kraftstoff dienen oder die Wärmeversorgung unterstützen. Doch dieser Wandel erfordert mehr als nur technische Aufrüstungen – er verlangt von den Betreibern ein Umdenken und von den Betrieben eine Umstrukturierung ihrer Abläufe.
Auktionen bleiben ein hartnäckiges Hindernis für die Branche und erschweren Finanzierung und Ausbau. Zudem steht Karle vor der Aufgabe, das anstehende Biomasse-Paket der Bundesregierung so mitzugestalten, dass es der Branche zugutekommt. Ohne diese Veränderungen, warnt er, drohe Biogas im Rahmen der Energiewende abgehängt zu werden.
Der Fachverband Biogas setzt sich dafür ein, dass Biogas zu einem anpassungsfähigeren und besser integrierten Bestandteil des Energiesystems wird. Karles Strategie konzentriert sich auf Flexibilität, Speicherung und ein breiteres Anwendungsspektrum über die Stromerzeugung hinaus. Der Erfolg hängt davon ab, regulatorische Hürden zu überwinden und die branchenweite Zusammenarbeit zu sichern.






