Deutschland startet Millionenprojekt zur Bergung von Kriegsmunition in der Ostsee
Dörthe ScheuermannDeutschland startet Millionenprojekt zur Bergung von Kriegsmunition in der Ostsee
Deutschland hat eine großangelegte Operation zur Bergung von Kriegsmunition aus der Ostsee gestartet. Das auf die Lübecker Bucht konzentrierte Projekt begann Mitte September 2024 im Rahmen eines 100-Millionen-Euro-Notfallprogramms der Deutschen Bahn. Schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen nicht explodierte Kampfmittel lagern noch vor den deutschen Nord- und Ostseeküsten und stellen eine Gefahr für Umwelt und Sicherheit dar. Das Bundesumweltministerium (BMUV) leitet die Maßnahme, an der drei Bergungsfirmen beteiligt sind. Die Lübecker Bucht wurde als Testgebiet ausgewählt, da sie eine Vielzahl an Munition und komplexe Bedingungen aufweist. Die Operation soll Aufschluss darüber geben, wie ähnliche Gebiete künftig am besten behandelt werden können. Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel spielen dabei eine zentrale Rolle. Seit 2016 untersuchen sie Unterwassermunition, insbesondere in vier Versenkungsgebieten der schleswig-holsteinischen Ostsee. Für diese Expedition überwacht das Forschungsschiff ALKOR die Umweltauswirkungen vor, während und nach der Bergung. Vom 14. bis 21. Oktober 2024 wird die ALKOR-Expedition mit dem Namen Postclear Wasser- und Sedimentproben sammeln. Zudem werden Teams Fische untersuchen und mit dem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug Käpt'n Blaubär Tauchgänge durchführen. Die Daten sollen zeigen, wie sich die Bergungsarbeiten auf das marine Leben und die Ökosysteme auswirken. Abgesehen von der Lübecker Bucht und der Kolberger Heide werden vor 2026 keine weiteren Munitionsgebiete in der deutschen Ostsee systematisch untersucht. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt werden künftige Entscheidungen zur Bewältigung der Altlasten in der Region prägen. Die Bergung in der Lübecker Bucht markiert einen entscheidenden Schritt bei der Bewältigung des deutschen Munitionsproblems unter Wasser. Die Ergebnisse der Postclear-Expedition werden die Strategien für andere belastete Gebiete beeinflussen. Das 100-Millionen-Euro-Programm zielt darauf ab, Risiken zu verringern und gleichzeitig die marinen Ökosysteme langfristig zu schützen.