06 January 2026, 13:13

Die älteste spielbare Orgel der Welt erklingt seit 600 Jahren in Östönnen

Eine Sammlung von Musikinstrumenten, einschließlich einer Gitarre, einem Saxophon und einem Schlagzeug, die auf einem Holzboden angeordnet sind.

Die älteste spielbare Orgel der Welt erklingt seit 600 Jahren in Östönnen

Eine kleine Kirche in Östönnen bei Soest birgt einen außergewöhnlichen musikalischen Schatz: die älteste spielbare Orgel der Welt. Gebaut um 1425, hat das Instrument über 600 Jahre überdauert und bietet mit seinem einzigartigen Klang einen seltenen Einblick in den späten Mittelalters. Trotz seines hohen Alters bleibt der Name seines Erbauers unbekannt – für immer in der Geschichte verloren.

Die Ursprünge der Orgel reichen bis ins frühe 15. Jahrhundert zurück, wobei ihre hölzernen Bestandteile, darunter die Windlade, auf das Jahr 1410 datiert werden. Das vollständige Instrument wurde vermutlich bis 1425 fertiggestellt, doch der Name seines Schöpfers wurde niemals dokumentiert. Von den 578 Bleipfeifen stammen mehr als die Hälfte aus einer späteren Ergänzung um das Jahr 1500.

Dass die Orgel bis heute erhalten blieb, ist unter anderem einem Mangel an Mitteln für Modernisierungen zu verdanken. 1722 erwarb die Gemeinde der St.-Andreas-Kirche das Instrument aus einer Nachbarpfarrei in Soest. Heute gilt es mit seinen geschnitzten Blumenmotiven und zarten Holzranken als "orgelhistorische Kostbarkeit" – bewundert für seine handwerkliche Kunstfertigkeit wie für seinen Klang. Der Organist Leon Berben beschreibt ihren Ton als "unglaublich intensiv" und "umarmend", eine Qualität, die auch die Gemeinde berührt. Pfarrer Volker Kluft und Berben sind sich einig: Die Zukunft der Orgel liegt in ihrer Bewahrung – nicht in Veränderungen. Gerade ihr unveränderter Zustand macht sie so außergewöhnlich.

Die Orgel bleibt eine lebendige Verbindung zur Musik des Mittelalters, deren Klang und Struktur allein durch Zufall bewahrt wurden. Die Gemeinde von St. Andreas hütet sie wie einen Schatz und sorgt dafür, dass dieses seltene Instrument auch künftigen Generationen erhalten bleibt. Seit sechs Jahrhunderten erklingen ihre von unbekannter Hand gefertigten Pfeifen – unberührt von der Zeit.