19 December 2025, 17:12

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Teaser: Allgegenwärtig in der bayerischen Vorweihnachtszeit ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des nach wie vor beliebten Antisemiten Ludwig Thoma.

18. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Ludwig Thomas antisemitisches Gedicht „Heilige Nacht“ ist fester Bestandteil der bayerischen Weihnachtstradition. Trotz seiner gut dokumentierten antisemitischen Artikel für den „Miesbacher Anzeiger“ wird sein Werk in der Region weiterhin gefeiert. Straßen, Schulen und kulturelle Veranstaltungen tragen noch immer seinen Namen – ein ambivalentes Erbe.

In „Heilige Nacht“ schildert Thoma die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem auf abwertende Weise. Dennoch wird das Gedicht in der Adventszeit in ganz Bayern rezitiert. Versuche, sich davon zu distanzieren, stoßen auf Widerstand; das Werk taucht weiterhin bei Weihnachtsfeiern und öffentlichen Lesungen auf.

Der Schauspieler Enrico de Paruta führt Thomas „Heilige Nacht“ jährlich in ausverkauften Häusern in München, Ingolstadt und Regensburg auf. Die Vorstellungen ziehen große Zuschauerzahlen an und unterstreichen die kulturelle Strahlkraft des Gedichts. Kritiker verweisen seit Langem auf Thomas antisemitische Propaganda im „Miesbacher Anzeiger“ und fordern eine Neubewertung seines Stellenwerts in der bayerischen Kultur. Doch Umbenennungen von nach ihm benannten Straßen und Schulen scheiterten meist am öffentlichen Widerstand. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnt es ab, Thomas Namen von einer örtlichen Straße zu entfernen, und argumentiert gegen das Tilgen historischer Persönlichkeiten. Rechtsextreme, nationalistische und kulturkonservative Gruppen propagieren das Gedicht weiterhin. Auf rechtsextremen Websites, in regionalen konservativen Blättern und durch einzelne Kommentatoren wird das Werk oft verteidigt – Thomas literarische Fähigkeiten werden gelobt, während sein Antisemitismus verharmlost wird.

Trotz seines anstößigen Inhalts und Thomas antisemitischer Vergangenheit bleibt „Heilige Nacht“ in der bayerischen Weihnachtstradition verankert. Die anhaltende Popularität des Gedichts und die Präsenz seines Namens im öffentlichen Raum zeigen, wie tief sein Erbe verwurzelt ist. Umbenennungsinitiativen und Kritik haben die öffentliche Meinung bisher kaum verändert.