Dierfelds perfekte Wahlbeteiligung: Wie ein 15-Einwohner-Dorf Geschichte schreibt
Dörthe ScheuermannDierfeld verzeichnet 100-prozentige Wahlbeteiligung - Dierfelds perfekte Wahlbeteiligung: Wie ein 15-Einwohner-Dorf Geschichte schreibt
Dierfeld, die kleinste Gemeinde in Rheinland-Pfalz, macht mit einer perfekten Wahlbeteiligung Schlagzeilen. Alle acht wahlberechtigten Einwohner gaben bei der jüngsten Landtagswahl ihre Stimme ab. Das winzige Dorf, in dem nur 15 Menschen leben, fällt zudem durch seinen einzigartigen Ansatz in Sachen lokaler Demokratie und Pläne für erneuerbare Energien auf.
Der Gemeinderat von Dierfeld besteht aus sechs Mitgliedern und einem Bürgermeister; normalerweise finden die Wahlen im Wohnzimmer des Anwesens statt. Für die Landtagswahl schloss sich das Dorf jedoch mit dem Nachbarort Manderscheid zusammen, um einen gemeinsamen Wahlbezirk zu bilden. Dadurch konnte die Wahlgeheimheit gewahrt werden – eine Herausforderung für Gemeinden mit sehr wenigen Wählern.
Die acht stimmberechtigten Einwohner Dierfelds gaben ihre Stimmen per Briefwahl ab, die vom Bürgermeister eingesammelt wurden. Eine Demokratie in diesem kleinen Rahmen ist in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit: Rund 140 der etwa 2.300 Gemeinden des Landes haben weniger als 100 Einwohner. Nachbargemeinden wie Hamm (16 Einwohner) und Keppeshausen (17 Einwohner) stehen vor ähnlichen logistischen Hürden. Der Bürgermeister von Hamm berichtete, dass Wahllokale früher einen ganzen Tag besetzt werden mussten – für nur eine Handvoll Stimmen.
Doch Dierfeld hat nicht nur bei Wahlen Besonderes zu bieten: Geplant ist ein 15 Hektar großes Solarfeld, das die erneuerbaren Energien vorantreiben und lokale gemeinnützige Projekte finanzieren soll. Die Gemeinde selbst besteht aus einem historischen Gutshaus, einem gärtnerischen Betrieb und ausgedehnten Waldflächen – 14 Hektar im Gemeindebesitz und 180 Hektar in Privatbesitz. Das Anwesen, ursprünglich ein Jagdschloss aus dem 16. Jahrhundert, ging Anfang des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Familie von Greve über.
Die 100-prozentige Wahlbeteiligung in Dierfeld unterstreicht das Engagement seiner winzigen Wählerschaft. Das Solarfeld-Projekt und die Zusammenarbeit mit Manderscheid bei Wahlen zeigen, wie sich kleine Gemeinden modernen Herausforderungen anpassen. Mit seiner Mischung aus Geschichte, grünen Initiativen und eng verbundener Verwaltung bleibt Dierfeld ein einzigartiges Beispiel für ländliches Leben in Deutschland.






