30 December 2025, 17:18

Disziplinarverfahren gegen **Lehrkräfte** in Schleswig-Holstein explodieren um 84 Prozent

Ein Junge sitzt an einem Tisch und schreibt in ein Buch, während eine Frau die Tafel mit einem Putzlappen in einem Klassenzimmer mit mehreren Tischen, einem haltenden Kasten und einem Plakat an der Seite reinigt.

Disziplinarverfahren gegen **Lehrkräfte** in Schleswig-Holstein explodieren um 84 Prozent

Disziplinarverfahren gegen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein um fast 84 Prozent gestiegen

Seit 2020 haben sich die Disziplinarverfahren gegen Lehrkräfte in Schleswig-Holstein um nahezu 84 Prozent erhöht. Allein im vergangenen Jahr wurden 57 neue Fälle eingeleitet, in der ersten Hälfte 2024 kamen bereits 40 weitere hinzu. Angesichts dieses deutlichen Anstiegs hat das Bildungsministerium um zusätzliche Personalstellen gebeten, um die wachsende Arbeitsbelastung zu bewältigen.

Der Zuwachs an Verfahren folgt auf eine starke Zunahme von Meldungen, die unter anderem auf ein gestiegenes öffentliches Problembewusstsein zurückzuführen ist. Auch US-Behörden haben vermehrt mögliche Fälle von Kinderpornografie im Zusammenhang mit Lehrkräften gemeldet. 2023 standen sexuelle Straftaten mit 14 Ermittlungsverfahren an der Spitze, während Verstöße gegen Nebentätigkeitsregeln, verbale Fehltritte und Dienstverweigerung jeweils kleinere, aber bemerkenswerte Anteile ausmachten.

Etwa 15 Prozent der Fälle erfordern mittlerweile umfangreiche Zeugenbefragungen, 20 Prozent gelten als besonders komplex. Die SPD-Fraktion hat eine detaillierte Aufschlüsselung des Trends gefordert und infrage gestellt, ob das System der Belastung standhalten kann. Beate Raudies, die öffentlichkeitsrechtliche Sprecherin der SPD, warnte, dass die zunehmenden Verfahren das Vertrauen in Schulen und Lehrkräfte untergraben könnten. Zwar erkennt das Bildungsministerium den Anstieg an, bestreitet jedoch ein strukturelles Versagen. Die Behörden verweisen darauf, dass die Gesamtzahl der Fälle im Vergleich zur gesamten Lehrerschaft gering bleibe. Dennoch bestehen weitergehende Bedenken, da Berichte über extremistische Vorfälle, Antisemitismus und Gewalt an deutschen Schulen – darunter kürzlich ein antisemitisches Plakat in Flensburg – den Druck auf die Disziplinarsysteme erhöhen.

Das Bildungsministerium beantragt nun eine zusätzliche Stelle, um die Fallzahlen zu bewältigen. Mit bereits 40 neuen Verfahren in diesem Jahr zeigt sich der Trend ungebrochen. Die langfristigen Auswirkungen auf die Motivation der Lehrkräfte und das öffentliche Vertrauen werden davon abhängen, wie gut das System sich anpassen kann.