EMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film von Hito Steyerl trotz Antisemitismus-Vorwürfen
Oliver LinkeEMAF in Osnabrück zeigt umstrittenen Film von Hito Steyerl trotz Antisemitismus-Vorwürfen
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück sieht sich mit Kritik konfrontiert, nachdem es beschlossen hat, einen Kurzfilm der Künstlerin Hito Steyerl, die unter dem Pseudonym Al-Sharif bekannt ist, in sein Programm aufzunehmen. Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen ihre politischen Ansichten, insbesondere Vorwürfe des Antisemitismus und ihre angebliche Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Trotz der Rückschläge bekräftigte der Festivalvorstand seine Entscheidung, ihr Werk zu zeigen.
Al-Sharifs Kurzfilm "Morning Circle" wird im Rahmen des EMAF-Programms 2024 unter dem Motto "Eine unvollendete Versammlung" präsentiert, das sich mit den Themen künstlerische Freiheit und Verantwortung auseinandersetzt. Zwar steht das Festival seit Langem hinter ihren Filmen, doch die Aufnahme in das Programm stößt bei kommunalen und regionalen Politikern auf Widerstand.
Der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann erklärte, er hätte es vorgezogen, wenn das Festival auf Al-Sharifs Beitrag verzichtet hätte. Sowohl die Stadt als auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) distanzierten sich öffentlich von der Entscheidung. Die Kritik richtet sich dabei weniger gegen ihr künstlerisches Schaffen als vielmehr gegen ihre Äußerungen in sozialen Medien.
Die BDS-Bewegung, deren Unterstützung ihr vorgeworfen wird, ist in Deutschland seit 2019 ein umstrittenes Thema. Damals verurteilte der Bundestag in einem fraktionsübergreifenden Beschluss BDS als antisemitisch. Zwischen 2023 und 2025 blieb die Zahl antisemitischer Vorfälle im Zusammenhang mit BDS-Aktivismus hoch – Streitigkeiten gab es etwa an der Hertie School of Governance oder innerhalb der Partei Die Linke.
Trotz der Debatte bleibt die jährliche Förderung des EMAF durch die Stadt Osnabrück in Höhe von rund 150.000 Euro unangetastet. Der Festivalvorstand verteidigt weiterhin die Auswahl und betont die künstlerische Unabhängigkeit sowie die Bedeutung eines offenen Dialogs. Die Vorstellung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden.
Während politische Vertreter ihre Ablehnung zum Ausdruck bringen, behält das EMAF die finanzielle Unterstützung der Stadt. Die Diskussion verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischem Ausdruck, politischem Aktivismus und öffentlicher Förderung in Deutschland.






