Flensburgs Südermarkt: Wie ein Bielefelder Trinkraum das Viertel verwandelt
Siegrid RöhrichtFlensburgs Südermarkt: Wie ein Bielefelder Trinkraum das Viertel verwandelt
Flensburgs Südermarkt: Wie ein Bielefelder Trinkraum das Viertel verändert
Der Bereich um den Südermarkt in Flensburg hat lange mit öffentlichen Rücksichtslosigkeiten zu kämpfen gehabt – von lauten Streitigkeiten über Sachbeschädigungen bis hin zu Drogenkonsum. Statt Alkoholverbote durchzusetzen, setzt die Stadt nun auf einen Bielefelder Trinkraum, einen betreuten Ort für den öffentlichen Alkoholkonsum. Bisher zeigt das Projekt vielversprechende Ergebnisse – die Zahl der Konflikte geht zurück, und das Umfeld wird sauberer gehalten.
Jahre lang hatten Anwohner und Geschäftsinhaber in der Nähe des Südermarkts über häufige Probleme geklagt: blockierte Türen, verbale und körperliche Angriffe sowie drogenbedingte Vorfälle. Der Platz entwickelte sich zu einem Treffpunkt für unterschiedliche Gruppen, darunter Arbeitsmigranten aus anderen EU-Ländern und Menschen, die nicht nur Alkohol, sondern auch andere Substanzen konsumieren. Statt wie in anderen Teilen Schleswig-Holsteins geplante Alkoholverbotszonen einzuführen, eröffnete Flensburg Anfang 2026 einen Bielefelder Trinkraum.
Die Stadt stellt für das Projekt jährlich 108.000 Euro bereit und bietet damit einen Raum, in dem Menschen unter Aufsicht trinken, sich austauschen und Spiele spielen können. Nachbarn und Sozialarbeiter berichten, dass der Bielefelder Trinkraum die Vermüllung verringert und Konflikte entschärft habe – das Umfeld habe sich spürbar verbessert. Clemens Teschendorf, Sprecher der Flensburger Stadtverwaltung, steht Alkoholverboten skeptisch gegenüber und warnt, dass solche Maßnahmen Probleme lediglich verlagern könnten.
Flensburgs Vorgehen orientiert sich an erfolgreichen Bielefelder Trinkräumen in anderen deutschen Städten. Hannover, das sein Programm 2021 startete, verzeichnete einen Rückgang öffentlicher Rücksichtslosigkeiten um 40 Prozent sowie weniger alkoholverbundene Notruf-Einsätze. Auch in Dortmund und Berlin zeigten ähnliche Initiativen positive Wirkungen. Währenddessen wird der Südermarkt weiter umgestaltet: Es gibt mehr Sicherheitsstreifen, und der Betonplatz in der Nähe der öffentlichen Toiletten wird neu gestaltet.
Um den Ort für ein breiteres Publikum attraktiv zu machen, bietet die Initiative Blau:Pause zudem Co-Working-Bereiche, Seminarräume und eine Halle für Sportkurse an. Ziel ist es, unterschiedliche Besuchergruppen anzusprechen und den Südermarkt inklusiver und lebendiger zu gestalten.
Bisher hat der Flensburger Bielefelder Trinkraum dazu beigetragen, öffentliche Rücksichtslosigkeiten zu reduzieren und ein sicheres Umfeld zu schaffen. Mit zusätzlichen Maßnahmen wie verstärkten Kontrollen und der Neugestaltung des Platzes hofft die Stadt, ein ausgewogenes Miteinander verschiedener Gruppen zu fördern. Ob das Projekt langfristig wirkt, hängt jedoch von kontinuierlicher Finanzierung und der Einbindung der Bevölkerung ab.






