12 June 2026, 18:21

Fußball-WM entfacht deutsche Nationalgefühle – doch warum nur beim Sport?

Lieber "Party-Patriotismus" als kein Patriotismus

Fußball-WM entfacht deutsche Nationalgefühle – doch warum nur beim Sport?

Alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft eine Welle von Nationalfarben und Stolz in Deutschland. Einzelhändler überfluten die Geschäfte mit Fanartikeln, doch viele Bürger zögern noch immer, ihre patriotischen Gefühle offen zu zeigen. Diese zurückhaltende Haltung gegenüber nationalen Symbolen beschränkt sich nicht nur auf den Fußball, sondern erstreckt sich auf weitere kulturelle und politische Bereiche.

2013 nahm Angela Merkel bei einer Wahlabendveranstaltung Hermann Gröhe eine deutsche Flagge ab, die dieser geschwenkt hatte. Die damalige Bundeskanzlerin mied in ihren Reden bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. Diese Zurückhaltung spiegelt eine breitere Unbehaglichkeit vieler Deutscher mit allzu offensichtlichen Zeichen nationaler Identität wider.

Dennoch durchbrechen große Fußballturniere oft diese übliche Zurückhaltung. Selbst Menschen, die sich sonst kaum für den Sport interessieren, verfolgen die Spiele der Nationalmannschaft. In einem Haushalt schmückte ein junger Sohn vor der WM den Familienwagen mit Deutschlandfahnen – ein Beispiel dafür, wie der Fußball die sonst so verhaltene Haltung der Nation für kurze Zeit lockern kann.

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Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersuchte den Zusammenhang zwischen Fußballpatriotismus und politischen Bewegungen. Die Sendung deutete an, dass der Aufschwung nationaler Gefühle während solcher Turniere indirekt Gruppen wie Pegida oder die AfD Auftrieb gegeben haben könnte.

Die Weltmeisterschaft bleibt ein seltenes Ereignis, bei dem Deutschlandfahnen – wenn auch nur vorübergehend – flächendeckend zu sehen sind. Der Fußball bietet einen Raum für nationalen Stolz, der in anderen Zusammenhängen oft fehlt. Doch die Verbindung zwischen Sport und Politik wirft nach wie vor Debatten über Identität und Ausdrucksformen auf.

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