Geisterparade feiert 35 Jahre mit buntem Protest für bezahlbaren Wohnraum in Köln
Oliver LinkeGeisterparade feiert 35 Jahre mit buntem Protest für bezahlbaren Wohnraum in Köln
Kölner Geisterparade feiert 35. Jubiläum mit farbenfrohem Protestumzug durch die Stadt
Tausende Menschen zogen am Wochenende durch die Kölner Straßen, um das 35-jährige Bestehen der Geisterparade zu begehen – eine Mischung aus politischem Protest, aufwendigen Kostümen und kreativen Darbietungen. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die drängende Wohnungsfrage, womit die Parade ihre lange Tradition als Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement fortsetzte.
Die erste Geisterparade fand 1991 als Demonstration gegen den Golfkrieg statt. Im Laufe der Jahre verschoben sich die Schwerpunkte von frühen Themen wie Antimilitarismus und Umweltschutz hin zu größeren Fragen wie sozialer Gerechtigkeit, Flüchtlingsrechten und Klimaschutz. Aber auch der Kampf gegen Rechtsextremismus, Gleichberechtigung sowie lokale Konflikte – etwa um Hochschulfinanzierung oder Gentrifizierung – prägten die Umzüge immer wieder.
Das diesjährige Motto "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Kölner Dom schlofe" richtete den Fokus auf die Kölner Wohnungsnot. Viele Teilnehmer:innen trugen Kostüme, die das Thema aufgriffen: Häuser auf dem Kopf balancierend oder mit Plakaten gegen Mietwucher.
Prägende Bildelemente des Umzugs waren wie jedes Jahr die Schnappviecher – riesige Tierfiguren mit klappernden Kiefern – sowie ein gewaltiger, aus Plastikflaschen gefertigter Tintenfisch. Die Kostüme reichten von Geistern und Hexen über Totenschädel und Meereswesen bis hin zu Fabeltieren. Erich Hermans, als Ähzebär verkleidet, führte die Parade an – seit den Anfängen dabei.
Anders als in den Vorjahren endete die Jubiläumsausgabe nicht mit einer Abschlusskundgebung. Stattdessen zog der Umzug zum Kölner Kulturzentrum Odonien weiter, wo Live-Musik und Performances für eine ausgelassene Stimmung sorgten.
Die Geisterparade bleibt eine einzigartige Verbindung von Protest und Fest. Zwar sind ihre politischen Wurzeln nach wie vor spürbar, doch zieht sie heute vor allem durch Kreativität und Offenheit ein breites Publikum an. Die diesjährige Auseinandersetzung mit der Wohnungspolitik unterstrich einmal mehr ihre Rolle als Forum für lokale und globale Themen.