Gericht kippt Pornografie-Sperren: EU-Recht setzt sich gegen nationale Regeln durch
Oliver LinkeGericht hebt Sperrbefehle gegen Pornoplattformen aufgrund EU-Recht auf - Gericht kippt Pornografie-Sperren: EU-Recht setzt sich gegen nationale Regeln durch
Ein deutsches Gericht hat Sperranordnungen gegen mehrere Pornografie-Plattformen aufgehoben. Das Urteil stammt vom Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße, das feststellte, dass nationale Beschränkungen gegen EU-Recht verstoßen. Die Entscheidung folgt auf Klagen eines Internetdienstanbieters und der Betreiber der betroffenen Websites.
Im Mittelpunkt des Falls stehen Altersverifikationspflichten sowie der weitere rechtliche Rahmen für digitale Dienste in der EU.
Im April 2024 hatte die Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz die Sperranordnungen gegen die Plattformen verhängt. Die Behörde argumentierte, die Seiten verfügten nicht über ausreichende Altersprüfsysteme. Das Gericht urteilte jedoch, dass diese Anordnungen gegen das Herkunftslandprinzip verstießen – einen zentralen Grundsatz der EU-Digitalregulierung.
Nach diesem Prinzip unterliegen Anbieter digitaler Dienste den Gesetzen des EU-Mitgliedstaats, in dem sie ansässig sind. Das Gericht verwies zudem auf den Vorrang des EU-Rechts, wodurch nationale Regelungen nach dem deutschen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) nicht anwendbar seien. Darüber hinaus war der Landesmedienanstalt die Befugnis entzogen, gegen eine Plattform vorzugehen, da hierfür die ausschließliche Zuständigkeit bei der Europäischen Kommission lag.
Das Urteil steht im Einklang mit der vollständigen Umsetzung des EU-Digitale-Dienste-Gesetzes (Digital Services Act, DSA) im Februar 2024, das einen einheitlichen Regulierungsrahmen für digitale Dienste in der EU schuf. Die Europäische Kommission hat sich bis Februar 2026 nicht öffentlich zu den Sperranordnungen geäußert, und es wurden keine Untersuchungen oder weitere Schritte eingeleitet.
Gegen das Urteil könnte noch Berufung beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz eingelegt werden.
Die Entscheidung hebt die Sperranordnungen auf und stärkt die Anwendung EU-weiter Digitalvorschriften. Das Urteil unterstreicht die Grenzen nationaler Behörden bei der Durchsetzung von Beschränkungen für grenzüberschreitende digitale Dienste. Weitere rechtliche Schritte hängen von möglichen Berufungen oder Reaktionen der Europäischen Kommission ab.