Grüner Wasserstoff zwischen politischen Zielen und wirtschaftlichen Hürden
Hubertus CasparGrüner Wasserstoff zwischen politischen Zielen und wirtschaftlichen Hürden
Politische Unterstützung für grünen Wasserstoff wächst – doch der Markt kämpft mit Problemen
Neun Nordsee-Anrainerstaaten, darunter Norwegen, haben kürzlich die Hamburger Erklärung unterzeichnet, um den Ausbau der Offshore-Windenergie und die Produktion von grünem Wasserstoff voranzutreiben. Doch trotz ehrgeiziger Ziele belasten hohe Kosten und zögerliche Infrastrukturprojekte die Branche weiterhin.
Mit der Hamburger Erklärung setzen die Unterzeichner ein kühnes Ziel: Bis 2050 sollen 100 Gigawatt grenzüberschreitende Offshore-Windkapazitäten entstehen. Diese Kapazitäten würden die großtechnische Produktion von grünem Wasserstoff ermöglichen und die regionale Energiezusammenarbeit stärken. Norwegen und acht weitere Nordsee-Staaten haben sich verpflichtet, erneuerbare Offshore-Energien und die Wasserstoffinfrastruktur auszubauen.
Doch der Markt für sauberen Wasserstoff bleibt schwach. 2026 hemmen hohe Kosten und eine verhaltene Nachfrage den Fortschritt. Zwar erreichten die globalen Investitionen in die Energiewende 2025 mit 2,3 Billionen US-Dollar einen Rekord – doch nur 7,3 Milliarden flossen in Projekte für grünen Wasserstoff. Hohe Kapitalkosten für Schlüsselvorhaben verschärfen die Herausforderungen zusätzlich.
Einige Projekte kommen dennoch voran: Shell hat in den Niederlanden einen 200-Megawatt-Elektrolyseur fertiggestellt, der in der Raffinerie Pernis grauen Wasserstoff durch grünen ersetzt. In Deutschland plant Gascade mit AquaDuctus die erste Offshore-Wasserstoffpipeline des Landes, um Produktionsstätten mit dem Festlandnetz zu verbinden.
Doch die finanziellen Schwierigkeiten sind offenkundig. Der Wasserstofftechnologiekonzern Nel ASA verzeichnete im dritten Quartal 2025 einen Rückgang der Auftragseinnahmen um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Aktienkurs des Unternehmens sank seit Mitte 2024 kontinuierlich – von über 5,00 norwegischen Kronen auf etwa 2,28 NOK im Januar 2026. Analysten stufen die Aktie mittlerweile als "Verkaufen" ein, begründet mit hohen Kosten, schwächeren Umsätzen und verzögertem Infrastrukturausbau.
Die Hamburger Erklärung zeigt zwar eine starke politische Rückendeckung für Offshore-Wasserstoff – doch der Markt steht weiterhin vor Hürden. Hohe Kosten und ein langsamer Infrastrukturausbau bremsen das Wachstum. Zwar machen einige Projekte Fortschritte, doch die finanziellen Probleme der Branche verdeutlichen die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit.