17 February 2026, 15:23

Hanauer Morde 2020: Kiel gedenkt der Opfer mit bewegender Theaterlesung

Ein schwarzer Hintergrund mit fetter weißer Schrift, die den Satz "Es gibt keinen Platz in Amerika für Hass" zitiert - ein Zitat von Präsident Joe Biden.

Hanauer Morde 2020: Kiel gedenkt der Opfer mit bewegender Theaterlesung

Lesung zu den Hanauer Morden von 2020: Kiel Theater hält die Erinnerung an das rassistische Verbrechen wach

Am Kieler Theater findet eine szenische Lesung über die Hanauer Morde von 2020 statt, um die Tragödie im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Die Veranstaltung fällt in die Zeit vor den anstehenden Landtagswahlen und lenkt den Blick auf die anhaltenden Folgen des rassistischen Anschlags. Die Organisator:innen betonen, wie wichtig es ist, die Opfer zu erinnern – besonders in einer Zeit, in der die politische Debatte über Rassismus an Schärfe gewinnt.

Bei den Hanauer Morden wurden 2020 neun Menschen getötet. Jahre später stieg die Opferzahl auf zehn, nachdem der 70-jährige Ibrahim Akkuş an den Spätfolgen seiner Schussverletzungen starb. Seine Wunden hatten ihm jahrelang schwere körperliche und seelische Qualen bereitet. Andere Überlebende leiden weiterhin unter langfristigen gesundheitlichen Folgen, doch öffentliche Aufzeichnungen geben kaum Auskunft über ihr Schicksal.

Die Lesung im Kieler Theater stellt sich den ungelösten Fragen des Anschlags. Die Ermittlungen im Fall standen wiederholt in der Kritik – wegen Fehler und offener Punkte. Durch die dokumentarische Aufarbeitung realer Fakten will die Inszenierung Ungerechtigkeiten aufdecken und das Publikum emotional berühren.

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Theaterleiterin Denise von Schön-Angerer sieht ihre Institution als grundlegend politisch. Sie ist überzeugt, dass das Theater die Pflicht hat, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen – besonders dann, wenn Rassismus nach wie vor ein drängendes Problem bleibt. An dem Projekt wirken mehrere Abteilungen mit, von der Bühnenbildnerei bis zur Dramaturgie, was den kollektiven Willen zeigt, die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Eine vollständige Produktion schien aufgrund des regulären Spielbetriebs und der unabhängigen Ausrichtung des Theaters undurchführbar. Die Lesung bietet stattdessen eine praktikable Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu schaffen. Der Zeitpunkt fällt bewusst in die Phase vor den Landtagswahlen, bei denen die rechtspopulistische AfD mit deutlichen Stimmengewinnen rechnet. Die Veranstalter:innen hoffen, dass die Lesung die Wähler:innen an die anhaltende Brisanz des Anschlags erinnert.

Die Hanauer Lesung ist zugleich Mahnmal und Aufruf zum Handeln. Sie bewahrt das Andenken an die Opfer und fordert das Publikum heraus, sich mit den anhaltenden Auswirkungen von Rassismus zu konfrontieren. Angesichts der bevorstehenden Wahlen unterstreicht die Initiative des Theaters, wie notwendig eine fortlaufende Auseinandersetzung mit dem Erbe des Anschlags bleibt.