Klassik im Umbruch: Skandale, Sanierungen und neue Spielstätten
In den vergangenen Wochen hat sich die Welt der klassischen Musik rasant weiterentwickelt. Kontroversen, Führungswechsel und Debatten um Spielstätten prägen die Zukunft zentraler Institutionen in ganz Deutschland und darüber hinaus.
In Leipzig sieht sich der Dirigent John Eliot Gardiner mit gemischten Reaktionen auf sein Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin beim Bach-Festival konfrontiert. Während einige sein Handeln scharf verurteilen, stellen sich andere schützend vor ihn.
In Berlin wird über die Zukunft der Philharmonie diskutiert. Die Stadt favorisiert das ICC als vorübergehende Spielstätte während der für 2032 geplanten Sanierung, doch die scheidende Intendantin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Eine öffentliche Umfrage ergab eine deutliche Präferenz für den Flughafen Tempelhof: 66 Prozent der Befragten sprachen sich für den Standort aus, nur fünf Prozent für das ICC. Auch Kollegen vom VAN Magazine plädieren für Tempelhof – allerdings belaufen sich die geschätzten Kosten auf über eine Milliarde Euro. Unterdessen bestätigte Zietzschmann, ihren Vertrag nicht über 2028 hinaus zu verlängern, und beendete damit Spekulationen über ihre Amtszeit.
Andernorts kritisierte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda Äußerungen Michel Friedmans zur deutschen kulturellen Identität in der Süddeutschen Zeitung. In Bonn erklärte Steven Walter, der Direktor des Beethovenfests, das Festival zur „No-Dick-Pic-Zone“ und kündigte an, Wiederholungstäter künftig auszuschließen. Oliver Wille, der Leiter der Hitzacker Sommerlichen Musiktage, forderte in einem Gespräch mit dem BackstageClassical-Podcast mehr Ernsthaftigkeit in der Musik.
Aus der Aufführungspraxis berichtet Matthias Goerne von der Absage seiner Auftritte in Israel – er begründete dies mit Reiseproblemen. Tobias Kratzers Ring-Zyklus in München erntet indes hochgelobte Kritiken, insbesondere Die Walküre, wie Philipp von Studnitz in seiner Besprechung hervorhebt. Das Salzburger Festspiele sieht sich unterdessen mit steigenden Sanierungskosten konfrontiert: Statt der ursprünglich veranschlagten 519 Millionen Euro werden nun 635 Millionen erwartet. Beim VAN Magazine bot Karin Bergmann an, für ihren Vorgänger Markus Hinterhäuser Konzerte zu besprechen – eine Antwort steht noch aus.
Auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) gerät in die Kritik: Der Sender stellt seinen klassischen DAB+-Kanal ein und ersetzt ihn durch BR-Klassik. Der Schritt stößt bei Annette Josef und vielen Hörern auf Ablehnung.
Diese Entwicklungen zeigen, wie sich Führung, öffentliche Meinung und Finanzplanung in den großen Kultureinrichtungen verändern. Die anstehenden Entscheidungen zu Spielstätten, Verträgen und künstlerischen Ausrichtungen werden die klassische Musiklandschaft nachhaltig prägen.
