Mainzer Fastnacht bricht mit 200-jähriger Tradition: Erstmals eine Frau an der Spitze
Siegrid RöhrichtFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fastnacht bricht mit 200-jähriger Tradition: Erstmals eine Frau an der Spitze
Mainzer Fastnachtsrevue "Mainz bleibt Mainz" schreibt Geschichte – erstmals seit fast 200 Jahren mit einer Frau an der Spitze des Protokolls
Die diesjährige "Mainz bleibt Mainz"–Sitzung hat Fastnachtsgeschichte geschrieben: Zum ersten Mal seit fast zwei Jahrhunderten führte eine Frau durch das Protokoll des traditionsreichen Events. Die Ausgabe 2025 bot dabei nicht nur scharfe Satire auf politische Persönlichkeiten, sondern bewahrte zugleich den klassischen Karnevalsgeist der Stadt.
Christina Grom übernahm als erste Frau die Leitung des Protokolls – und ließ dabei keine Härte vermissen. Mit beißendem Humor nahm sie Bundeskanzler Friedrich Merz, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ins Visier. Ein besonders pointierter Witz unterstellte, im Himmel werde die Gutenberg-Bibel genutzt, um Trumps Ego "luftleer zu pumpen".
Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Merz bezeichnete die Satire am 28. Februar auf X (ehemals Twitter) als "geschmacklos" und betonte, er bleibe bei seiner politischen Agenda. Söder hingegen nahm es mit Humor – er postete ein Karnevalskostümfoto auf Instagram mit dem Kommentar: "Satire ist Fastnacht – aber die Wahrheit siegt." Trump äußerte sich nicht öffentlich.
Währenddessen feierte Jürgen Wiesmann sein 25-jähriges Jubiläum in der Rolle des beliebten Karnevalscharakters Ernst Lustig. Der langjährige Moderator Andreas Schmitt schloss die Sitzung als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms ab – und schickte in einem augenzwinkernden Gruß "gute Wünsche an Papst Leo XIV.", während er eine Zukunft mit einer "Papstin Ulrike" an der Kirchenspitze heraufbeschwor.
Die Revue 2025 verband Innovation mit Tradition: von Groms historischem Debüt bis zur gewohnt scharfzüngigen Satire. Die politischen Akteure reagierten unterschiedlich, doch das Event blieb sich treu. Mit neuen Stimmen und vertrauten Gesichtern lebt der Mainzer Karneval weiter – so bunt und unangepasst wie eh und je.