Markus Söder über Sicherheitspolitik und persönliche Anekdoten in Kempten
Dörthe ScheuermannMarkus Söder über Sicherheitspolitik und persönliche Anekdoten in Kempten
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder besuchte das Kornhaus in Kempten zu einer öffentlichen Veranstaltung der Allgäuer Zeitung. Der unter dem Titel "Und jetzt, Herr Söder?" stehende Abend lockte rund 430 Gäste an und behandelte Themen von der Sicherheitspolitik bis zu persönlichen Anekdoten. Bevor es in die ernsten Diskussionen ging, lockerte Söder die Stimmung auf, indem er sich für ein Cola Light statt des üblichen Wassers entschied.
Die Veranstaltung wurde von Markus Raffler und Helmut Kustermann moderiert, die Söder durch eine Mischung aus politischen und lockeren Fragen führten. Auf die Frage nach seinem jüngsten Auftritt in der Late-Night-Show Inas Nacht gestand der Minister, dass er seinen Live-Gesangsauftritt nur einmal geprobt habe. Die Erfahrung bezeichnete er als unterhaltsam und amüsant.
In der Verteidigungspolitik wiederholte Söder seine langjährige Kritik an den militärischen Fähigkeiten Deutschlands. Er betonte, dass die deutschen Nachrichtendienste hinter denen der USA zurücklägen, und unterstrich, dass die Bundeswehr weiterhin mehr Personal benötige, um die NATO-Verpflichtungen vollständig zu erfüllen. Seine Aussage aus dem Jahr 2023, die Streitkräfte seien "ausgehöhlt" worden, führte zu bescheidenen Fortschritten: Die Zahl der aktiven Soldaten stieg von etwa 183.000 Anfang 2024 auf voraussichtlich 188.000 bis 2026. Dennoch bleibt das Ziel von 203.000 Soldaten unerreicht, da Rekrutierungsschwierigkeiten die Entwicklung bremsen. Immerhin erfüllte Deutschland 2024 sein NATO-Ausgabeversprechen von 2 Prozent des BIP und übererfüllte es 2025 mit 2,1 Prozent.
Söder hob zudem seine Bemühungen um die Elektrifizierung der Bahn hervor und enthüllte, dass er in den jüngsten Koalitionsverhandlungen deren Einstufung als "höchste Priorität" durchgesetzt habe. Er machte deutlich, dass er bayerische Gelder lieber vor Ort als in Berlin investieren wolle – ein klarer Hinweis auf seinen regionalen Fokus. Die Diskussion berührte darüber hinaus die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands, Koalitionsspannungen, die Asylpolitik und die internationalen Beziehungen.
Die Kemptener Veranstaltung zeigte Söders Mischung aus politischer Entschlossenheit und persönlichem Charme. Seine Aussagen zu Verteidigung, Infrastruktur und Haushaltsprioritäten spiegelten die anhaltenden Herausforderungen für Bayern und Deutschland wider. Der Abend endete mit Gästen, die einen Ministerpräsidenten zurückließen, der politische Debatten mit einer lässigen Getränkewahl verbunden hatte.