Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Kampagne vom FID Marseille zurück
Oliver LinkeNadav Lapid zieht sich nach Boykott-Kampagne vom FID Marseille zurück
Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen, nachdem eine Kampagne gegen seine Teilnahme gestartet worden war. Die Kontroverse begann, als er als Jurymitglied eingeladen wurde, was Forderungen nach seinem Ausschluss auslöste. Mittlerweile haben über 350 Branchenvertreter:innen, darunter Natalie Portman und Justine Triet, einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie den Boykott gegen ihn verurteilen.
Lapid, ein entschiedener Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich. Sein jüngster Film Yes wurde von Variety als „scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus“ bezeichnet. Die Festivalleiterin Tsveta Dobreva verteidigte die Einladung zunächst mit dem Verweis auf die Wertschätzung für sein Werk. Doch bald geriet sie selbst unter Druck, da Forderungen nach seinem Ausschluss lauter wurden.
Etwa zehn Filmemacher:innen zogen ihre Beiträge aus Protest vom Festival zurück. Dies zwang Lapid schließlich zum vollständigen Rückzug. Als Reaktion veröffentlichte Le Monde zwei Stellungnahmen zu seiner Unterstützung. Eine mit dem Titel Kino ist keine Botschaft verurteilte die Einschüchterungskampagne und hinterfragte die Logik des Boykotts. Ein weiterer Brief, unterzeichnet von prominenten Persönlichkeiten, argumentierte, Lapids Rückzug solle als Warnsignal dienen, um über den unmittelbaren Konflikt hinaus zu mobilisieren.
Lapid äußerte sich frustriert über den eskalierenden Druck. Er warnte, solche Aktionen könnten eine abschreckende Wirkung auf Kultureinrichtungen weltweit haben. Der offene Brief und die Stellungnahmen zeigen eine deutliche Ablehnung des Boykotts gegen Lapid. Sein Rückzug vom Festival markiert einen bedeutenden Moment in der Debatte über kulturelle Freiheit und politischen Einfluss. Der Vorfall hat in der Filmbranche breite Aufmerksamkeit erregt.






