Neue Wehrpflicht trifft auf Widerstand – was junge Männer jetzt riskieren
Dörthe ScheuermannNeue Wehrpflicht trifft auf Widerstand – was junge Männer jetzt riskieren
Seit Jahresbeginn gelten in Deutschland neue Wehrpflichtregeln. Alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, müssen nun einen militärischen Erfassungsbogen ausfüllen. Doch bis Anfang Mai blieben etwa ein Viertel dieser Registrierungen unvollständig – wer sich nicht daran hält, riskiert Bußgelder.
Die Linkspartei veranstaltete kürzlich ein Anti-Wehrpflicht-Festival, das vor allem von jungen Menschen besucht wurde. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei, fragte die Anwesenden, wer freiwillig gekommen sei. Später rief sie sie dazu auf, sich der Erfassung zu widersetzen, und erklärte: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“
Desiree Becker, Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag für die Linkspartei, argumentierte, dass die Wehrpflicht die Zahl der aktiven Soldaten in der Bundeswehr nicht erhöhen werde. Aktuell zählt die Truppe knapp 186.000 Berufssoldatinnen und -soldaten – das entspricht bereits dem Mindestziel für 2026. Aufgrund begrenzter Kapazitäten werden die grundlegenden Eignungstests, umgangssprachlich „Eierkornrollgriff“ genannt, derzeit nur bei Freiwilligen durchgeführt.
Daniel Lücking, ehemaliger Soldat und heute politischer Berater der Linkspartei, war einst in Afghanistan im Einsatz. Dort produzierte er Radiosendungen, um die lokale Bevölkerung zur Zusammenarbeit mit den deutschen Streitkräften zu bewegen. Der 24-jährige Justin Klemm hingegen ist der Meinung, dass Gelder lieber in soziale Programme als in das Militär fließen sollten.
Die Meldefrist ist zwar abgelaufen, doch viele junge Männer haben die Erfassung noch immer nicht vorgenommen. Die Linkspartei lehnt die neuen Wehrpflichtregeln weiterhin ab. Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, muss mit Sanktionen rechnen.






