Organspende in Deutschland: Warum die Regierung den Zugang jetzt erschwert

Hubertus Caspar
Hubertus Caspar
2 Min.
Ein Plakat mit einer detaillierten Abbildung eines Organs in Nord- und Westthüringen, einer Kirche in Deutschland, mit Texten, die Informationen über das Organ und seine Bedeutung liefern.Hubertus Caspar

Patientenaktivisten kritisieren den Rückzug der Bundesregierung bei der Regulierung des Organspenderegisters - Organspende in Deutschland: Warum die Regierung den Zugang jetzt erschwert

Die jüngste Entscheidung der Bundesregierung zum Zugang zur Organspende hat scharfe Kritik von Patientenschützern ausgelöst. Der Plan, die Verpflichtung für Kommunen zur Bereitstellung von Registrierungsterminals aufzuheben, hat die Debatte über das Engagement Deutschlands zur Steigerung der Spenderzahlen neu entfacht. Kritiker werfen der Regierung vor, damit frühere Zusagen zu untergraben, die Anmeldung für alle Bürger zu erleichtern.

2018 hatte der Bundestag einen Beschluss gefasst, der es Bürgern ermöglichte, sich in örtlichen Meldebehörden als Organspender zu registrieren. Das Vorhaben sollte den Prozess vereinfachen, indem datensichere Terminals in Kommunen bundesweit aufgestellt wurden. Doch die Länderregierungen wehrten sich gegen die Umsetzung, sodass der Plan weitgehend scheiterte.

Seit der zentralen Organspender-Datei im März 2024 rund eine halbe Million Menschen beigetreten sind, bleibt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, bei seiner Kritik: Das Fehlen leicht zugänglicher Terminals in Städten und Gemeinden sei weiterhin ein großes Hindernis. Ein Staat, der die Organspende aktiv fördere, könne eine solche Grundvoraussetzung nicht glaubwürdig ignorieren, argumentiert er.

Die Kontroverse fällt mit weiteren Änderungen des Transplantationsgesetzes zusammen. Eine aktuelle Novelle erlaubt erstmals den Austausch von Organen zwischen nicht verwandten Spendern – das sogenannte gekreuzte Lebendspende-Verfahren. Gleichzeitig will die Regierung nun die Pflicht der Kommunen streichen, barrierefreie Registrierungsmöglichkeiten anzubieten. Damit kehrt sie eine langjährige Forderung der Gesundheitsminister der Länder um, die sich zuvor für einen besseren Zugang in Meldebehörden eingesetzt hatten.

Schon 2020 hatten die Abgeordneten ein Widerspruchsmodell für die Organspende abgelehnt, sich aber auf die zentrale Registrierungsdatei als Kompromiss geeinigt. Sechs Jahre später monieren Befürworter, dass die mangelnde Verfügbarkeit von Registrierungsterminals in "kaum einer Kommune" bundesweit das System unwirksam mache.

Mit der Streichung einer zentralen Maßnahme zur Steigerung der Spenderregistrierungen entfernt die Regierung einen wichtigen Hebel. Bei nur einer halben Million Anmeldungen seit März könnte das Fehlen flächendeckender Terminals das weitere Wachstum bremsen. Der Schritt steht zudem im Kontrast zur jüngsten Legalisierung der gekreuzten Lebendspende und unterstreicht die anhaltenden Spannungen in der deutschen Transplantationspolitik.

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