RAW-Gelände in Friedrichshain: Räumung droht nach gescheiterten Verhandlungen
Siegrid RöhrichtRAW-Gelände in Friedrichshain: Räumung droht nach gescheiterten Verhandlungen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain steht auf der Kippe – nach Jahren zäher, ergebnisloser Verhandlungen. Die Kurth Group, Eigentümerin des Areals, hat die Planungsgespräche 2024 für gescheitert erklärt und sich aus den Verhandlungen zurückgezogen. Mieter wie der beliebte Club Cassiopeia müssen nun damit rechnen, das Gelände bereits in wenigen Wochen zu räumen.
Die Kurth Group hatte das RAW-Gelände 2015 erworben. Seither scheiterte der Versuch, kommerzielle Bebauungspläne mit dem subkulturellen Erbe des Ortes in Einklang zu bringen. 2022 schien ein Durchbruch in Sicht: Mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg war eine Vereinbarung in Reichweite, die den Gebäudekomplex der sogenannten „kulturellen L“-Zone unter Schutz stellen sollte. Doch das Abkommen kam nie zustande.
2023 wurden die Gespräche wiederaufgenommen, und im Mai zeichnete sich eine grundsätzliche Einigung ab. Doch Streitigkeiten über Baurechte blockierten jeden Fortschritt. Die Kurth Group warf dem Bezirk später vor, mit seinem Vorschlag die Interessen Berlins über zuvor getroffene Zusagen zu stellen.
Nun hat sich der Investor komplett aus den Verhandlungen zurückgezogen. Ohne Rückendeckung des Bezirks und ohne abgeschlossene Planungsverfahren können die Bebauungspläne nicht umgesetzt werden. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer von Cassiopeia, erhielt die Mitteilung, dass der Club bis Ende des Monats geräumt werden muss. Auch andere Projekte auf dem Gelände bereiten sich darauf vor, in den kommenden Wochen zu gehen.
Trotz der Unsicherheit blieb das RAW-Gelände am Wochenende lebendig: Eine öffentliche Übertragung eines Fußballspiels zog zahlreiche Besucher an – ein Zeichen für die anhaltende Strahlkraft des Ortes.
Mit dem Rückzug des Eigentümers bleibt die Zukunft des RAW-Geländes ungewiss. Die Mieter bereiten sich auf den Auszug vor, und die Rolle des Bezirks im weiteren Prozess bleibt entscheidend. Nach fast 11 Jahren Verhandlungen gibt es noch immer keinen klaren Weg nach vorn.






