Rentner-Apotheker boykottieren neue Quartalsgebühr – und fliehen vor Behörden
Dörthe ScheuermannRentner-Apotheker boykottieren neue Quartalsgebühr – und fliehen vor Behörden
Rentner-Apotheker in ganz Deutschland wehren sich gegen neue Quartalsgebühr von 40 Euro
Die Landesapothekerkammer Hessen (LAK) führte die Abgabe nach einer Gesetzesänderung ein – und löste damit Proteste bei fast 25.000 Berufsträgern aus. Einige gehen sogar zu ungewöhnlichen Mitteln, um die Zahlung zu umgehen.
Die Beitragseinzugsaktion, intern als Aktion Abendsonne (KoReLa) bezeichnet, wird von Friedrich Geerth geleitet, dem Leiter der zuständigen Abteilung. Sein Team hat Schwierigkeiten, ältere Apotheker telefonisch zu erreichen, da viele sich verweigern oder über keine moderne Technik verfügen. Als Reaktion starteten die Behörden eine Service-Offensive mit Vergünstigungen wie VHS-Kursen, Aqua-Fitness-Angeboten und Senioren-Fahrkarten, um die Kooperationsbereitschaft zu erhöhen.
Ein besonders hartnäckiger Fall betrifft Dr. Roswitha Hinkebein, eine seit 1972 approbierte Apothekerin. Der junge Mitarbeiter Leon-Luca Wagner-Neumann wurde damit beauftragt, sie ausfindig zu machen. Einen ganzen Tag lang verfolgte er ihre Spur – vom Morgensport über die Apotheke, die Metzgerei, einen Kochkurs bis zu gesellschaftlichen Veranstaltungen. Gerade als er kurz vor dem Erfolg stand, entkam sie mit einem Ausflugsbus in die Lüneburger Heide zu einer Kaffee-und-Kuchen-Tour.
Unterdessen zeichnen sich weitere Kürzungen im Gesundheitswesen ab. Die Gesundheitsfinanzkommission bereitet Vorschläge vor, um zehn Milliarden Euro einzusparen. Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV), warnte, dass Gebührenkürzungen zu weniger Patiententerminen führen würden.
Die 40-Euro-Gebühr hat landesweit Widerstand ausgelöst, mit Protesten in mehreren Städten. Trotz Anreizen und beharrlicher Bemühungen bleiben viele Rentner-Apotheker uneinsichtig. Der Streit offenbart die Spannungen in einem Gesundheitssystem, das unter wachsendem finanziellen Druck steht.






