16 March 2026, 00:30

SPD will Ehegattensplitting durch Familiensplitting ersetzen – warum das Frauen fördern soll

Eine Balkendiagramm auf einem blauen Hintergrund, das den Einkommensanteil nach Übertragungen und Bundessteuern von 1979 bis 2007 zeigt, mit begleitendem Text.

Nord-SPD fordert Reform der Ehegattensplitting - SPD will Ehegattensplitting durch Familiensplitting ersetzen – warum das Frauen fördern soll

Reformforderungen für Deutschlands Ehegattensplitting

Die SPD-Landesgruppe in Schleswig-Holstein fordert eine Modernisierung des jahrzehntealten Systems der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren, des sogenannten Ehegattensplittings. Die Kritik: Das Modell entspreche nicht mehr den heutigen Familienstrukturen, halte Frauen davon ab, mehr zu arbeiten, und begünstige einkommensschwächere Haushalte nicht ausreichend.

Das Ehegattensplitting wurde 1958 eingeführt – zu einer Zeit, in der traditionelle Rollenbilder Politik und Gesellschaft prägten. Nach den aktuellen Regeln profitieren Paare am meisten, wenn ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. Dies führt oft dazu, dass Zweitverdiener – meist Frauen – ihre Arbeitszeit nicht erhöhen, was Deutschlands hohe Teilzeitquote unter Frauen mitverursacht.

Beate Raudies, finanzpolitische Sprecherin der SPD, kritisiert, dass das System falsche Anreize setze. Es untergrabe sowohl die Gleichstellung als auch eine wirksame Familienpolitik. Statt den Ehestatus in den Mittelpunkt zu stellen, schlägt die SPD ein Familiensplitting vor, das Kinder stärker in der Steuerberechnung berücksichtigt.

Die Reform würde Kinder als eigenständigen Faktor in der Besteuerung behandeln und die Belastung mit jedem weiteren Kind deutlich senken. Auch Alleinerziehende hätten Vorteile, da Steuerentlastungen nicht mehr an den Ehestand geknüpft wären. Ziel ist es, die finanzielle Belastung von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen zu verringern und Hindernisse abzubauen, die Frauen von einer Vollzeitstelle abhalten.

Die SPD-Initiative greift langjährige Kritik am Ehegattensplitting und dessen Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit von Frauen auf. Wird das Familiensplitting umgesetzt, würden Steuervergünstigungen stärker an Familien mit Kindern gehen – unabhängig vom Ehestatus. Der Vorschlag muss nun in der Landesregierung weiter beraten werden.

AKTUALISIERUNG

SPD setzt Sommer 2026 als Deadline für Steuerreform

Die SPD hat einen konkreten Zeitplan für die Reform der Ehegattensplitting in Deutschland vorgelegt. Wiebke Esdar, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, plädierte für eine 'gerechte und moderne' Reform bis Sommer 2026. Die wichtigsten Ziele sind:

  • Einführung einer partnerschaftsorientierten Besteuerung, um Geschlechterungleichheiten zu reduzieren
  • Einführung einer übertragbaren Grundfreibetrag für Neuvermählte
  • Gewährleistung, dass bestehende Paare keine höhere Steuerlast haben, es sei denn, sie entscheiden sich für das neue System Esdar betonte, dass die Reform dazu beitragen soll, 'die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu stärken und altersbedingte Armut zu bekämpfen', während sie das Wirtschaftswachstum insgesamt ankurbelt.