29 January 2026, 01:13

TPG übernimmt AEP und revolutioniert den Pharmagroßhandel mit Digitalisierung

Ein Apothekenregal voller verschiedener Medikamente, darunter Schachteln, ordentlich auf den Regalen angeordnet.

TPG übernimmt AEP und revolutioniert den Pharmagroßhandel mit Digitalisierung

Die Platform Group (TPG) hat AEP, einen der führenden Akteure im deutschen Pharmagroßhandel, übernommen. Der Deal markiert einen Vorstoß in Richtung digitale Transformation in einer Branche, die lange von einigen wenigen Großunternehmen dominiert wurde. Die Österreichische Post, bisherige Eigentümerin, verkaufte AEP im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung.

Die in Düsseldorf ansässige TPG plant, AEP mit ihrer Software-Sparte Aponow zu verschmelzen. Ziel ist es, physische Lieferketten mit digitalen Bestellprozessen für über 16.500 deutsche Apotheken zu verknüpfen.

Die Übernahme erfolgt zu einer Zeit zunehmender Online-Konkurrenz. Unternehmen wie Redcare Pharmacy und DocMorris verzeichnen starke Umsatzzuwächse und setzen traditionelle Großhändler unter Druck. Gleichzeitig sinkt die Zahl der stationären Apotheken in Deutschland.

AEP, mit einem Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro, operiert auf ähnlichem Niveau wie TPG. Der Kaufpreis soll sich im hohen zweistelligen Millionenbereich bewegen, die genaue Summe wurde jedoch nicht bekannt gegeben. Finanziert wird der Deal durch eine Mischung aus Eigenkapital und neuen Krediten.

Regulatorische Herausforderungen prägen die Branche ebenfalls. Ein richtungsweisendes Gerichtsurteil 2024 im sogenannten "Barzahlungsrabatt-Streit" mit Beteiligung von AEP unterstrich die Spannungen zwischen traditionellen und digitalen Geschäftsmodellen. TPG-Chef Dominik Benner hat deutlich gemacht, dass das Unternehmen die Branchenriesen durch beschleunigte Digitalisierung herausfordern will.

Durch die Integration von AEP in Aponow wird TPG digitale Prozesse direkt in die physische Lieferkette einbetten. Dieser hybride Ansatz verbindet stationäre Belieferung mit Online-Bestellungen und schafft damit, wie das Unternehmen es nennt, ein "Komplettanbieter"-Modell. Die Fusion soll betriebliche Effizienzsteigerungen bringen, indem Großhandelsvertrieb mit fortschrittlichen Softwarelösungen verknüpft wird.

Für die Österreichische Post passt der Verkauf zu ihrer strategischen Konzentration auf Infrastruktur und Logistik in Südosteuropa. Das Unternehmen zieht sich – wie andere Verkäufer auch – aus dem deutschen Pharmamarkt zurück, um sich auf Kernaktivitäten in anderen Regionen zu fokussieren.

Der Deal festigt TPGs Position als digitaler Vorreiter in einem sich rasant wandelnden Markt. Über 16.500 Apotheken erhalten nun Zugang zu schnelleren, technologiegesteuerten Lieferketten. Die Entwicklung spiegelt größere Trends wider, da der Online-Wettbewerb die deutsche Pharma-Branche umgestaltet. Mit dem Rückzug der Österreichischen Post bleibt es nun an TPG und ihren Konkurrenten, eine Branche zu navigieren, die sowohl digitalem als auch regulatorischem Druck ausgesetzt ist.