Warum die ICE-Strecke Berlin–Hamburg trotz Milliarden-Sanierung langsamer wird
Siegrid RöhrichtWarum die ICE-Strecke Berlin–Hamburg trotz Milliarden-Sanierung langsamer wird
Fahrzeiten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin–Hamburg steigen – trotz 2,2-Milliarden-Sanierung
Die neuesten Fahrpläne zeigen: Die schnellste ICE-Verbindung zwischen Berlin und Hamburg dauert künftig 107 Minuten – zwei Minuten länger als vor der jüngsten Streckensperrung. Die Deutsche Bahn hatte die Veränderung zunächst bestritten, später aber bestätigt.
Die Strecke war bereits in den frühen 2000er-Jahren für 650 Millionen Euro modernisiert worden, wobei die Höchstgeschwindigkeit von 160 auf 230 km/h erhöht wurde. Damals versprachen Verantwortliche eine Reisezeit von 90 Minuten. Doch bis 2021 hatte sich die Fahrtdauer bereits auf 95 Minuten verlängert – als Grund nannte die Bundesregierung die überalterte Infrastruktur.
Nach der jüngsten Millarden-Sanierung liegt das Problem nun nicht mehr an der Strecke selbst. Stattdessen verweist die Bahn auf ein komplexes Taktfahrplansystem. Überlastung an den Bahnhöfen Berlin und Hamburg, dichter Regionalverkehr und Engpässe auf benachbarten Gleisen schränken die Kapazitäten ein.
Kritiker bleiben skeptisch. Christian Böttger, Verkehrsprofessor an der Hochschule, hinterfragt die wechselnden Erklärungen des Unternehmens. Er weist darauf hin, dass die durchschnittliche Reisezeit trotz Modernisierung nun bei 110 bis 120 Minuten liegt – weit entfernt vom ursprünglichen Ziel von 90 Minuten.
Die Sanierung der Strecke hat keine schnelleren Verbindungen gebracht. Mit einer Fahrzeit von 107 Minuten für die schnellsten Züge dauern die Reisen länger als vor dem Ausbau. Die Deutsche Bahn führt die Verzögerungen auf planerische Herausforderungen zurück – nicht auf die Strecke selbst.






