08 January 2026, 07:14

Warum in Sachsen und Thüringen weniger D-Mark umgetauscht wird als anderswo

Eine Münze wird in die obere rechte Ecke eines Objekts mit Text darauf gelegt.

Sachsen und Thüringen tauschen weniger Deutsche Mark gegen Euro um - Warum in Sachsen und Thüringen weniger D-Mark umgetauscht wird als anderswo

Mehr als zwei Jahrzehnte, nachdem der Euro in Deutschland offizielle Währung wurde, tauchen im ganzen Land noch immer alte D-Mark-Scheine und -Münzen auf. 2024 tauschten die Bewohner Sachsens und Thüringens weniger davon um als in den Vorjahren. Die wirtschaftliche Vergangenheit der Region erklärt, warum diese Umtauschzahlen niedriger ausfallen als in anderen Teilen Deutschlands.

Die Filialen der Bundesbank in Sachsen und Thüringen bearbeiteten 2024 rund 1,7 Millionen D-Mark – etwas weniger als die 1,8 Millionen, die 2023 umgetauscht wurden. Diese Summe ist im Vergleich zu den bundesweit 53,1 Millionen Mark, die im vergangenen Jahr eingereicht wurden, eher bescheiden; die Zahl blieb damit nahezu unverändert gegenüber 2022. Für die alte Währung aus den beiden ostdeutschen Bundesländern zahlte die Zentralbank fast 889.000 Euro aus.

Deutschland hebt sich im Euroraum dadurch hervor, dass es den unbegrenzten Umtausch seiner ehemaligen Währung weiterhin ermöglicht. Dennoch liegen die Zahlen in Sachsen und Thüringen unter denen anderer Regionen. Die wirtschaftliche Geschichte der Region liefert einige Erklärungen: Beide Gebiete waren einst industrielle Zentren. Sachsen verdankte seinen Reichtum bereits ab dem 12. Jahrhundert dem Silberbergbau im Erzgebirge. Später entwickelte es sich ab 1798 zu einem Zentrum der mechanisierten Textilproduktion und baute ab 1839 ein dichtes Eisenbahnnetz auf. Thüringen zählte dagegen bereits in der frühen Neuzeit 95 Papiermühlen. Doch schwere Erschütterungen – der Erste Weltkrieg, die Hyperinflation von 1923 und der Übergang zur Friedenswirtschaft – trafen die Region hart. Im Dezember 1923 kostete ein Brotlaib 399 Milliarden Mark, was Ersparnisse vernichtete und die Geldbestände drastisch schrumpfen ließ. Diese Umbrüche könnten dazu geführt haben, dass in der Region weniger alte Scheine und Münzen im Umlauf blieben als in weniger betroffenen Gebieten.

Der stetige Rückgang der Umtauschzahlen deutet darauf hin, dass in Sachsen und Thüringen immer weniger D-Mark-Hortungen existieren. Dennoch ehrt die Bundesbank weiterhin die alte Währung und stellt sicher, dass jeder, der vergessene Scheine oder Münzen findet, sie noch umtauschen kann. Der Vorgang bleibt vorerst unkompliziert – auch wenn die Mengen von Jahr zu Jahr kleiner werden.