26 February 2026, 09:58

Warum steht plötzlich eine Rakete auf der Frankfurter Buchmesse?

Ein altes Buch mit einer Zeichnung eines Mannes, der eine Rakete hält, mit dem Text "Die Kriegsgeister" auf der Seite.

Warum steht plötzlich eine Rakete auf der Frankfurter Buchmesse?

Die diesjährige Frankfurter Buchmesse nimmt eine ungewöhnliche Wendung. Der zentrale Agora-Innenhof der Messe beherbergt in diesem Jahr eine aufragende Rakete – und sorgt damit für Neugier wie auch Diskussionen. Traditionell ein Ort für literarische und politische Debatten, ist der Bereich nun zum Gegenstand von Spekulationen über seinen Zweck geworden – und darüber, was das für das Selbstverständnis der Messe bedeutet. Auch an anderen Stellen des Geländes sind militärisch geprägte Ausstellungen aufgefallen. Von Lego-Kriegsschiffen in einem nahen Hotel bis hin zu einem Verlag, der ein Torpedo aus dem Zweiten Weltkrieg präsentiert, hat sich die Atmosphäre der Messe verändert. Selbst die Imbissstände haben ihre Speisekarten angepasst: Statt Schnitzel gibt es nun Kartoffelsuppe im Stil der "Grabenkriegs"-Küche. Die Rakete, zunächst für ein Werbemittel der Bundeswehr gehalten, entpuppt sich als ein Raumschiff-Modell für pädagogische Kinderaktivitäten. Trotz der harmlosen Absicht wirft ihre Platzierung in der Agora Fragen auf. Manche Besucher befürchten, sie stehe für eine Abkehr von den literarischen Wurzeln der Messe und bezeichnen sie als "Charakterschwäche" der Veranstaltung. Andernorts haben die Gespräche eine breitere Richtung eingeschlagen. Nun geht es um Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, Korruption oder sogar um die Bedeutung des Begriffs "charakterschwach" in verschiedenen Sprachen. Diese Themen überlagern die sonst üblichen Debatten über Literatur, Politik und Gesellschaft. In der Nähe hat ein Hotel in Sachsenhausen seine Frühstücksauslage mit Lego-Modellen von Star-Wars-Raumschiffen und Kriegsmaschinen bestückt. Gleichzeitig wirbt ein kleiner Verlag mit dem Modell eines Maiale – eines italienischen Torpedos aus dem Zweiten Weltkrieg – für einen Roman, der die Geschichte eines Faschisten und eines spanischen Buchhändlers erzählt und dabei Geschichte mit Fiktion verbindet. Vonseiten der Messeveranstalter gibt es keine offizielle Stellungnahme, wer die Rakete aufgestellt hat oder warum. Das Fehlen eines Eintrags im Programm vertieft das Rätsel nur. Das Erscheinen der Rakete hat die diesjährige Buchmesse geprägt – zwischen spielerischer Auseinandersetzung und ernster Reflexion. Während die einen darin eine unterhaltsame Abwechslung sehen, fragen sich andere, ob dadurch der traditionelle Fokus der Veranstaltung verwässert wird. Die Messe geht weiter, doch die Debatte über ihre sich wandelnde Identität bleibt ungelöst.

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