24 March 2026, 02:35

Wie Neslihan Arol die vergessene Meddah-Kunst auf Berlins Bühnen neu erweckt

Gemälde eines Mannes in Turban und langem Gewand, der auf einem Stuhl sitzt und eine Frau in einem prächtig bestickten Kleid mit einem Kopfschmuck neben ihm steht, beide mit ernsten Gesichtern, unten mit 'Türkisch' beschriftet.

Wie Neslihan Arol die vergessene Meddah-Kunst auf Berlins Bühnen neu erweckt

Neslihan Arol lässt auf Berlins Bühnen eine uralte osmanische Erzähltradition wieder aufleben. Mit einer Mischung aus Humor, Politik und mehreren Sprachen – und stets einer schlichten Teelichtkerze in der Hand – bringt sie Wärme und Menschlichkeit in ihre Kunst. Die Kerze steht symbolisch für das, was im Mittelpunkt ihres Schaffens steht.

Arols Weg führte nicht direkt ins Theater. Nach einem Studium der Chemieingenieurwissenschaften widmete sie sich zunächst heimlich der Schauspielerei, bevor sie sich ganz der Bühne verschrieb. Heute hält sie die Meddah-Tradition am Leben – ein Ein-Frau-Stück, in dem sie Dutzende Figuren in einer einzigen Vorstellung verkörpert.

Die Meddah-Theater-Kunst hat ihre Wurzeln im Osmanischen Reich und erlebte zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert ihre Blütezeit. Angeregt von mittelalterlichen islamischen Erzählformen wurde sie zu einem festen Bestandteil in den Kaffeehäusern Istanbuls. Die Künstler unterhielten ihr Publikum mit Satire, moralischen Lehren und Volksgeschichten und verbanden so unterschiedliche Gemeinschaften durch gemeinsame Erzählungen.

Arols Begegnung mit dem Meddah begann 2014, als sie in Berlin Comedy, Clownerie und Stand-up förderte. Acht Jahre brauchte sie, um ihren eigenen Stil zu verfeinern. Anfangs nutzte sie auf der Bühne eine alte Gaslampe – doch ein gefährlicher Vorfall zwang sie zum Umdenken: Seitdem arbeitet sie mit der sicheren Teelichtkerze. Diese steht heute für ihre Philosophie: ein helles Herz, genährt von der Liebe zu den Menschen, das andere erleuchten will.

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Ihre Auftritte sind lebendig und mehrsprachig, wechseln zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch. Da sie im klassischen Theater wenig Raum für humorvolle Frauenfiguren sah, entdeckte sie die Clownerie als feministische Ausdrucksform. Ihre erste große Arbeit untersuchte Clowns aus feministischer Perspektive – und prägte damit ihren künstlerischen Ansatz.

Auf der Bühne verwandelt sich Arol in unzählige Charaktere und nutzt Humor als Werkzeug der Befreiung. Für sie ist das Meddah ihr "Feld" – ein Ort, an dem sich Kultur, Politik und Lachen begegnen.

Arols Performances bewahren die Meddah-Tradition, ohne sie einfach zu kopieren. Die Teelichtkerze bleibt ihr zentrales Symbol – ein stilles Zeichen für Verbindung und Wärme. Durch Humor und Geschichten verbindet sie Vergangenheit und Gegenwart und lädt das Publikum ein in eine Welt, in der Sprache, Kultur und Politik aufeinandertreffen.

Quelle