29 December 2025, 22:00

75 Jahre Parkaue: Wie ein Theater den rebellischen Geist von DT64 wiederbelebt

Mehrere Oldtimer sind auf einem Boden mit Vorhängen und Pflanzen im Hintergrund geparkt, während weiter hinten auf der Straße einige Menschen und Fahrzeuge zu sehen sind.

75 Jahre Parkaue: Wie ein Theater den rebellischen Geist von DT64 wiederbelebt

Das Theater an der Parkaue in Berlin feiert sein 75-jähriges Jubiläum mit einer mutigen Neuproduktion.On Air On Fire, ein dokufiktionales Stück von Marion Brasch, lässt den rebellischen Geist von DT64 wiederaufleben – jenem legendären Jugendradio der DDR, das wie kein anderes für Freiheit und Widerstand stand. Die Inszenierung verbindet historische Ereignisse mit fiktionalen Erzählungen und lotet Themen wie Zensur, Freiheitsdrang und die Kraft junger Stimmen aus.

Das Theater, 1950 als Theater der Freundschaft gegründet, bleibt seiner Mission treu: junge Menschen zu ermächtigen. Neben Aufführungen bietet es Workshops an, die Räume für Dialog und Zuhören schaffen – eine Tradition, die an DT64s Erbe aus Widerstand und Verbindung anknüpft.

DT64 ging 1964 als Jugendwelle des Radio DDR auf Sendung und wurde zu einer seltenen Plattform für alternative Musik und unzensierte Gespräche in der DDR. Marion Brasch, die von 1987 bis 1992 als Musikredakteurin und Moderatorin dort arbeitete, erinnert sich an die einzigartige Atmosphäre während des Umbruchs. Die Sendungen wirkten vertraut, fast wie ein Gespräch unter Gleichgesinnten – trotz der allgegenwärtigen Staatszensur.

In On Air On Fire wird diese Ära wieder lebendig: Reale Begebenheiten fließen in das Stück ein. Ein Schlüsselmoment rekonstruiert die Weigerung einer Sprecherin, die offizielle Meldung über die Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 zu verlesen. Ein anderer Verweis gilt der Zensur von Rio Reisers Lied Der Traum ist aus (1988), das als zu subversiv für die Ausstrahlung eingestuft wurde. Braschs Text enthält zudem eine prägnante Zeile einer jungen Frau im Stück: „Eine Gesellschaft, die verlernt hat, wie man wirklich spielt“ – ein Satz, der die Enttäuschung vieler nach dem Mauerfall auf den Punkt bringt.

Die Besetzung wechselt wöchentlich, was die Dynamik der Inszenierung unterstreicht und dem Theaterkonzept entspricht, ständig neue Perspektiven einzubringen. Während nur Brasch und Regisseur Alexander Riemenschneider fest im Abspann verankert sind, sorgt das rotierende Ensemble für Frische. Dieser Ansatz passt zur grundsätzlichen Ausrichtung des Hauses, das jungen Künstler:innen – auf der Bühne wie in Workshops – eine Stimme gibt, wo Dialog und Selbstausdruck im Mittelpunkt stehen.

Die Jubiläumsproduktion ist Teil einer Spielzeit, die die langjährige Rolle des Theaters als Verstärker der Jugendkultur würdigt. Indem On Air On Fire DT64s aufrührerische Geschichte wiederbelebt, spannt es den Bogen von den Kämpfen für freie Meinungsäußerung damals zu den heutigen Bemühungen, junge Stimmen hörbar zu machen. Die Mischung aus Fakt und Fiktion zeigt, wie Kunst Autoritäten herausfordern kann – und wie Orte wie das Theater an der Parkaue diese Tradition fortsetzen.