Brandenburgs Schulreform: Noten statt Gutachten – mehr Druck auf Gymnasien?
Dörthe ScheuermannKein Grundschulbericht - Landtag will Lehrern Last nehmen - Brandenburgs Schulreform: Noten statt Gutachten – mehr Druck auf Gymnasien?
Der Brandenburger Landtag hat weitreichende Änderungen des Schulgesetzes beschlossen, die den Zugang zu Gymnasien neu regeln. Die Reformen schaffen die schriftlichen Beurteilungsberichte der Lehrkräfte ab und ersetzen sie durch ein notenbasiertes System mit optionalem Aufnahmeprüfungen. Kritiker warnen jedoch vor einer möglichen Überlastung von Schulen und Lehrkräften.
Nach den neuen Regeln hängt die Aufnahme an Gymnasien von einem gewichteten Notendurchschnitt ab. Schülerinnen und Schüler, die diesen nicht erreichen, können sich stattdessen durch eine bestandene Aufnahmeprüfung qualifizieren. Bildungsminister Steffen Freiberg verteidigte die Änderungen und betonte, dass damit die elterliche Wahlfreiheit und akademische Standards im Mittelpunkt stünden.
Die Reformen führen zudem ab dem zweiten Halbjahr eine zusätzliche Wochenstunde für Lehrkräfte ein. Im Gegenzug entfällt die Pflicht, ausführliche Beurteilungsberichte für den Schulwechsel zu verfassen. Die SPD-Abgeordnete Katja Poschmann begrüßte diesen Schritt und argumentierte, er gebe den Schulen mehr Flexibilität bei der Stundenplangestaltung.
Die Oppositionsparteien äußerten jedoch Bedenken. CDU- und AfD-Abgeordnete kritisierten die Abschaffung der Beurteilungsberichte, da dies die Bedeutung von Noten und elterlichem Einfluss übermäßig stärke. Die CDU-Politikerin Kristy Augustin erkannte zwar Fortschritte in den Reformen an, forderte aber weitere Maßnahmen zur Entlastung der Lehrkräfte. Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer Dennis Hohloch monierte zudem die Zusammenlegung von Gesellschafts- und Naturwissenschaften zu kombinierten Fächern.
Auch aus den Kommunen gibt es Vorbehalte. Einige befürchten, dass eine steigende Zahl von Gymnasialempfehlungen Schulen an ihre Kapazitätsgrenzen bringen könnte, die bereits jetzt überlastet sind.
Die Änderungen treten im zweiten Schulhalbjahr in Kraft. Lehrkräfte erhalten im Gegenzug für weniger Verwaltungsaufwand eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche. Die Reformen markieren einen Schritt hin zu standardisierten Leistungsbewertungen, doch die Debatten über Arbeitsbelastung und Schulkapazitäten werden voraussichtlich anhalten.