Bundesregierung gesteht: Keine vollständige Übersicht über Millionenförderungen möglich
Siegrid RöhrichtBundesregierung gesteht: Keine vollständige Übersicht über Millionenförderungen möglich
Die deutsche Bundesregierung hat eingeräumt, dass sie keine vollständigen Angaben zu den finanziellen Zuwendungen machen kann, die verschiedene Ministerien an Organisationen vergeben haben. Das Problem kam ans Licht, nachdem eine parlamentarische Anfrage Unterlagen für den Zeitraum von 2020 bis 2026 angefordert hatte. Beamte begründeten die fehlende Antwort mit veralteten Papierakten und dem enormen Umfang der Anfrage.
Dieses Eingeständnis folgt auf jüngste Kürzungen im Familienministerium, das 200 Projektförderungen gestrichen hat – eine Entscheidung, die bei betroffenen Gruppen auf scharfe Kritik stieß. Ziel der parlamentarischen Anfrage war es, die Vergabe von Mitteln an nichtstaatliche Organisationen über sechs Jahre hinweg offenzulegen. Die Regierung erklärte jedoch, der für die Beantwortung notwendige Rechercheaufwand sei "unzumutbar". Als Hauptgrund wurde der fortgesetzte Einsatz von Papierakten in den Bundesministerien genannt. Ohne ein zentrales digitales System wäre die Erstellung einer vollständigen Liste aller geförderten Projekte mit einem unverhältnismäßig hohen Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden.
Das Innenministerium legte immerhin eine Teilübersicht vor – eine 39-seitige Tabelle mit den unterstützten NGOs. Darunter befanden sich die Amadeu Antonio Stiftung, Correctiv und Die Falken. Auffällig war, dass in der Förderliste des Ministeriums der Begriff "Rechtsextremismus" oder verwandte Formulierungen 19-mal auftauchten, "Islamismus" hingegen nur zweimal und "Linksextremismus" gar nicht.
Unabhängig davon hatte Innenminister Alexander Dobrindt die Förderung mehrerer linker NGOs gestrichen, darunter die Amadeu Antonio Stiftung und Radikale Töchter. Gleichzeitig kündigte Familienministerin Karin Prien eine "Neuausrichtung" der Förderpolitik ihres Hauses an, was zur Streichung von 200 Zuschüssen führte. Betroffene Organisationen haben seitdem Petitionen gestartet und die Entscheidung als politisch motiviert verurteilt.
Kritiker monieren, dass das Fehlen einer umfassenden Förderdokumentation erhebliche Transparenzdefizite aufwirft. Aktuell lassen sich nur bruchstückhafte Einblicke durch Einzelanfragen oder spezifische Ministeriumsdatenbanken gewinnen. Die Abhängigkeit der Regierung von Papierakten erschwert zudem die Nachverfolgung öffentlicher Ausgaben.
Die Unfähigkeit der Regierung, die Anfrage zu erfüllen, unterstreicht die anhaltenden Probleme bei der Aktenführung in den Bundesministerien. Ohne ein zentrales System bleibt die Nachverfolgung von Fördermitteln eine Herausforderung. Betroffene NGOs wehren sich weiterhin gegen die Kürzungen, während die Forderungen nach mehr Transparenz lauter werden.






