18 February 2026, 15:41

Fünf Jahre Haft für mutmaßlichen Reichsbürger-Gründer nach Erpressungswelle gegen Behörden

Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Gebäude, hält Schilder und Plakate hoch und sitzt in der vorderen Reihe auf einem Gegenstand, während ein Müllcontainer rechts daneben steht, bei einer Demonstration in Deutschland, mit Gebäuden, Fenstern, Lichtern und Schildern im Hintergrund.

Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für 'Reichsbürger'-Gruppenführer - Fünf Jahre Haft für mutmaßlichen Reichsbürger-Gründer nach Erpressungswelle gegen Behörden

Ein 55-jähriger Mann muss mit einer Haftstrafe von fünf Jahren und sieben Monaten rechnen, weil er eine kriminelle Vereinigung mit Verbindungen zur Reichsbürger-Bewegung gegründet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, über Jahre hinweg eine Kampagne aus Drohungen und Erpressung gegen thüringische Behörden geführt zu haben. Ein 53-jähriger Mittäter könnte für seine Rolle in dem System vier Jahre und fünf Monate erhalten.

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht ein Netzwerk, das systematisch Gläubiger und Staatsbedienstete mit einschüchternden Schreiben unter Druck setzte. Ermittler beschreiben die Gruppe als hochorganisiert und mit professionellen Methoden vorgehend, um finanzielle Verpflichtungen zu umgehen und staatliche Institutionen zu untergraben.

Die Vereinigung formierte sich Ende 2020 im persönlichen und geschäftlichen Umfeld des Angeklagten. Der Mann, Landwirt und Edelmetallhändler von Beruf, hatte zuvor erhebliche Schulden angehäuft, bevor er die Organisation ins Leben rief. Gemeinsam mit seinem 53-jährigen Komplizen soll er Hunderten von Gerichten, Behörden und Amtsträgern erpresserische Briefe zugeschickt haben.

In diesen Schreiben wurden die Empfänger zur Herausgabe von Daten, Zahlungen und zum Nachweis ihrer Staatsbürgerschaft aufgefordert – bei Androhung rechtlicher oder gewaltsamer Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft sieht in der Kampagne ein politisches Motiv: Sie ziele darauf ab, die Rechtsordnung im Sinne der Reichsbürger-Ideologie zu destabilisieren. Die Bewegung, die die demokratische Regierung Deutschlands ablehnt, hat seit 2020 stark an Zulauf gewonnen und zählte 2026 über 20.000 Anhänger.

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Die Ermittlungen ergaben, dass die Angeklagten mit einem strukturierten Verwaltungssystem arbeiteten, das an kriminelle Geschäftsmodelle erinnerte. Zu ihren Methoden gehörten finanzielle Manipulationen und juristische Schikane, um staatliche Pflichten zu umgehen. Der Prozess ist Teil einer breiten Welle von Ermittlungen gegen Reichsbürger-Aktivitäten, darunter der 2022 vereitelte Putschversuch unter Führung von Heinrich XIII. Prinz Reuß, der 2024 in neun Verurteilungen wegen Hochverrats mündete.

Bis 2025 wurden über 1.000 rechtskräftige Verurteilungen gegen Mitglieder der Bewegung registriert – unter anderem wegen Bedrohung, illegalen Waffenbesitzes und Angriffe auf Amtsträger. Der aktuelle Prozess zeigt, wie solche Netzwerke rechtliche Grauzonen und bürokratischen Druck nutzen, um ihre Ziele durchzusetzen.

Ein Urteil wird für Anfang März erwartet. Bei einer Verurteilung würden die Strafen die Schwere der Vorwürfe widerspiegeln, darunter die Gründung einer kriminellen Vereinigung, versuchte Nötigung und Erpressung. Der Prozess unterstreicht die anhaltende Herausforderung, die von Reichsbürger-Gruppierungen ausgeht und die Sicherheitsbehörden sowie die Justiz in ganz Deutschland weiterhin belastet.