Gebrauchtwagenpreise sinken – doch die Krise wirkt noch immer nach
Der globale Automarkt durchlebt seit Jahren massive Umbrüche – von Produktionsverzögerungen bis zu explodierenden Gebrauchtwagenpreisen. Ein Mangel an Halbleitern im Jahr 2020 löste eine Kettenreaktion aus, die die Neuproduktion von Fahrzeugen lahmlegte und die Nachfrage nach Gebrauchtwagen in die Höhe trieb. Zwar erholt sich das Angebot langsam, und die Preise beginnen sich zu stabilisieren – doch einige Folgen der Krise wirken noch immer nach.
Die Probleme begannen Anfang 2020, als die Automobilhersteller wegen der Pandemie die Produktion drosselten. Die Halbleiterlieferanten verlagerten ihre Kapazitäten auf Unterhaltungselektronik und IT, sodass der Autosektor mit einem Mangel an essenziellen Chips kämpfte. 2021 zwang der Engpass die Fabriken zu wiederholten Produktionsstopps; die globale Fahrzeugproduktion brach Schätzungen zufolge um sieben bis elf Millionen Einheiten ein. Die Lieferzeiten für Neuwagen verlängerten sich von sechs auf bis zu achtzehn Monate – für Käufer blieb kaum eine Alternative.
Da weniger Neuwagen verfügbar waren, stieg die Nachfrage nach Gebrauchtfahrzeugen rasant. Zwischen 2021 und 2022 kletterten die Durchschnittspreise um 19 Prozent – der stärkste Anstieg seit Jahrzehnten. Noch heute liegen die Preise auf hohem Niveau: Anfang 2025 kostet ein gebrauchter Pkw in Deutschland im Schnitt rund 27.800 Euro, nur knapp unter dem Spitzenwert von 2023. Doch das entspricht einem Rückgang von etwa fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Zeichen für eine allmähliche Beruhigung des Marktes.
Einige Modelle behalten ihren Wert besser als andere. Geländewagen wie der VW Tiguan, der BMW X1 oder der Audi Q3 sind nach wie vor gefragt und wechseln schnell den Besitzer. Drei Jahre alte Elektroautos hingegen verlieren stärker an Wert: Sie erzielen nur noch etwa 50 Prozent des Neupreises, während Benziner bei 63,5 Prozent und Diesel bei 62,2 Prozent liegen. Auch die Umschlaggeschwindigkeit hat zugenommen – ein Gebrauchtwagen steht heute durchschnittlich 57 Tage beim Händler, vor der Pandemie waren es noch rund 75 Tage.
Die Rückgabe von Leasingfahrzeugen hat den Preisdruck etwas gemildert, doch die Bestände liegen weiterhin etwa 25 Prozent unter dem Niveau von vor 2020. Dennoch bleibt der Markt dynamisch: 2024 stiegen die Fahrzeugumschreibungen um 7,4 Prozent auf rund 6,48 Millionen Einheiten.
Die Gebrauchtwagenpreise sind zwar von ihren Höchstständen 2023 gesunken, doch eine vollständige Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Pandemie steht noch aus. Elektroautos verlieren schneller an Wert als Benziner oder Diesel, während Geländewagen weiterhin stark nachgefragt werden. Bei nach wie vor knappen Beständen bewegen sich Käufer und Verkäufer in einem Markt, der von Jahren der Turbulenzen geprägt ist.






