17 January 2026, 14:18

Kann Spitzwegerich die Landwirtschaft revolutionieren und den Boden retten?

Ein Feld grüner Maispflanzen umgeben von Gras und Bäumen, mit Übertragungstürmen im Hintergrund unter einem klaren blauen Himmel.

Kann Spitzwegerich die Landwirtschaft revolutionieren und den Boden retten?

Ein neues Forschungsprojekt untersucht, wie ein verbreitetes „Unkraut” schädliche Emissionen in der Landwirtschaft verringern könnte. Die Initiative BNI 2030 konzentriert sich auf den Spitzwegerich, eine Pflanze, die Stickstoffverluste in Maisfeldern reduzieren könnte. Diese Verluste tragen in Deutschland maßgeblich zu starken Treibhausgasemissionen und zur Gewässerverschmutzung bei.

Lachgas (N₂O), ein fast 300-mal klimawirksameres Treibhausgas als CO₂, stammt zu einem großen Teil aus der Landwirtschaft. Besonders Mais hinterlässt nach der Ernte überschüssigen Stickstoff im Boden, der durch Nitrifikation und Denitrifikation entweicht – und so Grundwasser belastet oder schädliche Gase freisetzt.

Das Projekt BNI 2030 prüft nun, ob Spitzwegerich, zwischen Mais angebaut, diesen Prozess bremsen kann. Die Pflanze produziert von Natur aus biologische Nitrifikationshemmer (BNI), die die Umwandlung von Ammonium in Nitrat verzögern. Dadurch bleibt der Stickstoff länger im Boden und kann von den Nutzpflanzen aufgenommen werden, statt in die Umwelt zu gelangen. Die Forscher:innen verfolgen den Stickstofffluss mithilfe des Isotops ¹⁵N: Sie messen, wie viel Stickstoff vom Spitzwegerich auf den Mais übergeht und wie viel durch Auswaschung oder Gasfreisetzung verloren geht. Zudem wollen sie die geeignetste Spitzwegerich-Sorte für Maisfelder identifizieren und praktische Leitlinien für Landwirt:innen entwickeln.

Die Landwirtschaft ist für etwa 75 Prozent der Nitratbelastung in deutschen Oberflächengewässern verantwortlich – mit Mais als einem der Hauptverursacher. Starke Winterregen spülen oft überschüssiges Nitrat ins Grundwasser, besonders wenn Zwischenfrüchte wegen kurzer Vegetationsperioden versagen. Gelingt das Projekt, könnte es Landwirt:innen eine Methode bieten, Erträge zu halten und gleichzeitig Umweltschäden zu reduzieren.

BNI 2030 sucht nach langfristigen Lösungen für einen nachhaltigen Maisanbau. Durch den Einsatz von Spitzwegerich ließen sich die Stickstoffeffizienz steigern, Emissionen senken und die Wasserqualität schützen. Die Ergebnisse könnten zu neuen Empfehlungen führen, wie Mais mit geringeren Umweltbelastungen angebaut werden kann.