Klimastreit in Schleswig-Holstein: Wer zahlt die Wende bis 2040?
Dörthe ScheuermannKlimapolitischer Streit im Norden - Grüne kritisieren SPD - Klimastreit in Schleswig-Holstein: Wer zahlt die Wende bis 2040?
In Schleswig-Holstein ist ein Streit über die Klimapolitik entbrannt, während das Land sein Ziel der Klimaneutralität bis 2040 verfolgt. Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband, die SPD und der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) üben gemeinsam scharfe Kritik an der aktuellen Vorgehensweise und warnen vor den Folgen für einkommensschwache Haushalte. Die Spannungen verschärften sich weiter, nachdem die Landesvorsitzende der Grünen, Lydia Rudow, dem SPD-Chef Ulf Kämpfer vorwarf, die Klimaziele der Region aus politischen Kalkül aufzugeben.
Die schwarz-grüne Koalition unter Ministerpräsident Daniel Günther hat sich vorgenommen, Schleswig-Holstein bis 2040 klimaneutral zu machen. Doch die fehlenden direkten Landeszuschüsse für Wärmepumpen stoßen auf Kritik. Zwar bieten Bundesprogramme wie das KfW-Programm 458 bis zu 70 Prozent Förderung (inklusive Boni für Effizienz und Klimabeschleunigung) und das Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt private Haushalte – spezifische Landeszuschüsse für Wärmepumpen gibt es jedoch nicht, abgesehen von zinsgünstigen Krediten der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH). Seit Ende 2023 erhalten Haushalte keine zusätzlichen direkten Fördergelder mehr vom Land.
Rudow fordert stärkere Bundeshilfen, darunter Subventionen für Wärmepumpen, regionale Strompreismodelle und eine Senkung der Stromsteuer. Zugleich wirft sie Kämpfer – der als wahrscheinlicher Herausforderer Günthers gilt – vor, die Klimadebatte für Wahlkampfzwecke zu instrumentalisieren, und ruft die Verbände dazu auf, sich nicht in taktische Manöver hineinziehen zu lassen. VNW-Direktor Andreas Breitner konterte und kritisierte die Grünen dafür, alternative Ansätze in der Klimapolitik abzulehnen.
SPD und die beiden Verbände warnen, dass die aktuelle Politik der Koalition einkommensschwache Haushalte abhänge. In ihrem gemeinsamen Appell betonen sie die Sorgen um Bezahlbarkeit und Gerechtigkeit beim Übergang zu sauberer Energie.
Der Konflikt zeigt die unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie die Klimaziele Schleswig-Holsteins finanziert werden können, ohne einkommensschwache Bürger übermäßig zu belasten. Zwar bieten Bundesprogramme gewisse finanzielle Entlastungen, doch Kritiker fordern gezieltere Unterstützung auf Landesebene. Die Debatte wird voraussichtlich anhalten, während die Frist 2040 näher rückt und die politischen Spannungen bestehen bleiben.