Nordfriesische Gemeinde erweitert Wasserstoff-Heiznetz
Nordfriesische Gemeinde baut Wasserstoff-Wärmenetz aus
Anreißer: In der Gemeinde Bosbüll haben die Projektpartner mit den Bauarbeiten für die Erweiterung ihres Wasserstoff-Wärmenetzes begonnen.
15. September 2025, 10:42 Uhr MESZ
Die kleine nordfriesische Gemeinde Bosbüll macht große Schritte in Sachen erneuerbare Energien. Ein umfassender Ausbau des Fernwärmenetzes steht an, begleitet von Wasserstoffproduktion und Wind-Solar-Projekten. Landesvertreter loben die Initiative als Vorbild für eine dezentrale, klimafreundliche Energieversorgung.
Das Fernwärmenetz in Bosbüll, das 2020 in Betrieb ging, versorgt bereits Haushalte der Region mit Strom aus lokaler Erzeugung und Abwärme aus der Wasserstoffproduktion. Das System nutzt Power-to-Heat-Technologie; für die Heizperiode 2025/26 ist eine weitere Erweiterung geplant. Dann sollen zusätzliche Haushalte an das Netz angeschlossen werden, das von der Bosbüll Energie GmbH betrieben wird – einem Unternehmen im Besitz der Gemeinde und des Erneuerbare-Energien-Unternehmens GP Joule.
Das Projekt „Wärme, Wasserstoff, Wind – Sektorkopplung“ umfasst zudem die Wasserstoffproduktion für den öffentlichen Nahverkehr. Brennstoffzellenbusse in Nordfriesland fahren bereits mit vor Ort erzeugtem Wasserstoff, während die eFarm-Tankstellen in Nieblum und Husum weitere wasserstoffbetriebene Fahrzeuge versorgen. Für den Infrastrukturausbau, etwa bei Gasnetzen und Umspannwerken, zeichnet SH Netz verantwortlich, ein Tochterunternehmen der HanseWerk Gruppe. Bosbüll beherbergt bereits zwei bürgergetragene Solarparks, zwei Windparks und eine Wasserstoffanlage; ein dritter Solarpark soll bis Ende 2025 entstehen. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) digitalisiert das lokale „Optinetz Bosbüll“, während Watt 2.0 das Heizwerk steuert. Ministerpräsident Daniel Günther hebt das Projekt als Musterbeispiel für intelligente, regionale Energielösungen hervor. Die Initiative steht im Einklang mit dem Ziel Schleswig-Holsteins, bis 2040 klimaneutral zu werden. Bürgermeister Ingo Böhm leitet die Bosbüll Energie GmbH und sichert so die kommunale Unterstützung für Ausbau und Betrieb des Netzes.
Bis 2026 sollen weitere Haushalte an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Der in Bosbüll produzierte Wasserstoff treibt bereits Busse und Fahrzeuge in ganz Nordfriesland an. Mit zusätzlicher Solarkapazität und geplanten Digitalisierungsmaßnahmen setzt das Projekt weiterhin Maßstäbe für nachhaltige, bürgernahe Energieversorgung.
