NRW-Polizei setzt auf digitale Aufklärung mit OSINT-Offensive gegen politische Gefahren
Oliver LinkeNRW-Polizei setzt auf digitale Aufklärung mit OSINT-Offensive gegen politische Gefahren
Nordrhein-Westfalens Polizei baut ihre Online-Aufklärung massiv aus
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat eine groß angelegte Offensive gestartet, um ihre Fähigkeiten im Bereich der digitalen Aufklärung zu stärken. Im Mittelpunkt steht Open Source Intelligence (OSINT) – eine Methode zur Sammlung und Analyse öffentlich zugänglicher Daten, vor allem aus sozialen Medien. Spezialisierte Teams, darunter eine kürzlich erweiterte Einheit beim Landeskriminalamt (LKA), spielen dabei eine Schlüsselrolle bei der Beobachtung politisch brisanter Ereignisse.
Die OSINT-Abteilung des LKA ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Was einst als Zweier-Team begann, ist heute eine 16köpfige Unterabteilung, in der IT-Experten, Soziologen und Politikwissenschaftler zusammenarbeiten. Geleitet wird die Einheit von Fabian Coenen, der die Abteilung 22.2 in Düsseldorf verantwortet und sich auf politisch motivierte Kriminalität konzentriert. Zu seinem Team gehört auch die 28-jährige Laura Ellrich, eine Polizistin, die 2022 in den Staatsschutz wechselte und im Herbst 2025 zu Coenens OSINT-Einheit stieß.
An der Initiative beteiligen sich zudem sechs regionale Staatsschutz-Einheiten, die mit ihrem OSINT-Know-how schnelllebige Einsätze unterstützen. Diese Teams ermöglichen es der Polizei, auf politische Entwicklungen zeitnah zu reagieren und digitale Bedrohungen frühzeitig zu erkennen.
Ein zentraler Baustein des Vorhabens ist die Ausbildung. Marc Restemeyer, ein 37-jähriger Dozent beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP), leitet das Schulungsprogramm. Er bereitet neue LKA-Mitarbeiter sowie Beamte der „Digitalen Streifen“ vor – ein Projekt, das im September 2024 an den Start ging. Damals wurden zehn zusätzliche Kräfte für das LKA eingestellt, während fast 100 weitere Beamte in sechs regionalen Polizeibehörden eingebunden wurden.
Restemeyers Team entwickelte ein Online-Trainingsprogramm, um OSINT-Fähigkeiten zu standardisieren. Der Lehrplan stellt sicher, dass die Teilnehmer nicht nur effektiv arbeiten, sondern auch rechtliche Grenzen einhalten – und damit optimal auf digitale Ermittlungen vorbereitet sind.
Der Ausbau der OSINT-Kapazitäten markiert einen grundlegenden Wandel in der Polizeistrategie Nordrhein-Westfalens. Mit größeren Teams, spezialisierter Ausbildung und einem Fokus auf digitale Gefahren verfügt die Landespolizei nun über bessere Instrumente, um Online-Risiken zu überwachen und darauf zu reagieren. Die Initiative spiegelt einen bundesweiten Trend wider: die zunehmende Verknüpfung digitaler Aufklärung mit dem polizeilichen Alltag.






