Petuh: Wie Flensburgs vergessene Sprache wieder zum Leben erwacht
Hubertus CasparPetuh: Wie Flensburgs vergessene Sprache wieder zum Leben erwacht
Petuh – eine einzigartige Sprache zwischen den Kulturen
In Flensburg blühte einst eine besondere Sprache namens Petuh, eine Mischung aus Plattdeutsch, Plattdänisch, Hochdeutsch und Rigsdansk. Ihre Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück, als die Stadt an der Schnittstelle zwischen deutscher und dänischer Kultur lag und den Alltag ihrer Bewohner prägte. Obwohl Petuh bis in die 1950er-Jahre hinein fast vollständig verschwand, finden sich heute noch Spuren in örtlichen Nachrichten und Bräuchen.
Die Entstehung von Petuh ist eng mit Flensburgs vielschichtiger Sprachgeschichte verbunden. Um 1400 nutzten die Einwohner Plattdeutsch für den hansischen Handel, bewahrten aber gleichzeitig das Plattdänisch – einen lokalen Sønderjysk-Dialekt. Rechtsdokumente aus dieser Zeit belegen Übersetzungen ins Plattdänisch und spiegeln die dänische Herrschaft über die Stadt wider. Über die Jahrhunderte entwickelte sich aus diesem Sprachgemisch eine eigenständige Ausdrucksform.
Hilke Rudolph, eine gebürtige Flensburgerin, setzt sich seit Jahren für den Erhalt des Petuh ein. In ihrer Heimatstadt aufgewachsen und ausgebildet, studierte sie Erziehungswissenschaften und Friesisch an der örtlichen Universität. Ende der 1990er-Jahre übernahm sie die Rolle der Petuhtante – einer Figur, die die Sprache durch Führungen und öffentliche Auftritte bekannt macht.
Doch ihr Engagement geht über die Bühne hinaus: Rudolph hat Forschungsergebnisse veröffentlicht, kulturelle Projekte initiiert und einen Verein gegründet, der sich dem Petuh widmet. Ein zentrales Ziel der Initiative ist nun die Erstellung eines umfassenden Wörterbuchs, um den Wortschatz der Sprache zu dokumentieren. Viele Flensburger sehen in der Mischung aus deutschen und dänischen Einflüssen bis heute einen Teil ihrer Identität und ihres kulturellen Erbes.
Ob Petuh überlebt, hängt von solchen Bemühungen ab – von Rudolphs Forschung und der öffentlichen Vermittlung. Das geplante Wörterbuch soll die Begriffe festhalten, bevor sie für immer verloren gehen. Für die Einheimischen bleibt die Sprache ein lebendiger Bezug zu Flensburgs vielschichtiger Vergangenheit.