Warum Rottenburgs Saublodere jetzt öfter aus Rinderblasen knallen
Hubertus CasparStinkend und laut - der seltsame Brauch mit Schweinsblasen - Warum Rottenburgs Saublodere jetzt öfter aus Rinderblasen knallen
Jede Karnevalszeit in Rottenburg, Baden-Württemberg, hallt das scharfe Knallen aufgeblasener Schweineblasen durch die Straßen. Diese traditionellen Lärmmacher, bekannt als Saublodere, werden mit Schwung auf den Boden geschlagen, um Zuschauer mit ihrem lauten Knall zu erschrecken. Doch ein Wandel zeichnet sich ab – manche Zünfte setzen mittlerweile auf Rinderblasen, die größer und haltbarer sind.
Die Saublodere-Tradition beginnt mit der Beschaffung der Blasen bei örtlichen Metzgern. Jede wird entleert, in Lake eingelegt, gewaschen und auf ihre Festigkeit geprüft. Nur die robustesten Exemplare werden mit Druckluft aufgeblasen und an einen Hagenschwanz gebunden – die Genitalien eines geschlachteten Stiers oder den Schwanz einer Kuh.
Schweineblasen stehen seit langem symbolisch für Eitelkeit und Übermaß in den schwäbisch-alemannischen Fasnetsbräuchen. Doch ihre Haltbarkeit ist begrenzt: Oft überstehen sie nur wenige Umzüge, bevor sie ersetzt werden müssen. Dies hat einige Zünfte dazu bewegt, auf Rinderblasen umzusteigen, die nicht nur größer, sondern auch widerstandsfähiger sind und länger halten.
Obwohl Schweineblasen nach wie vor verbreitet sind, nimmt die Verwendung von Rinderblasen zu. Offizielle Zahlen, wie viele Narrenzünfte den Wechsel vollzogen haben, gibt es nicht. Doch der Trend zeigt weniger einen Bruch mit der Tradition als vielmehr eine praktische Anpassung. Der markante Knall, wenn eine Saublodere auf das Pflaster trifft, bleibt derselbe – egal, ob von Schwein oder Rind.
Die Wahl zwischen Schweine- und Rinderblasen variiert je nach Zunft, ohne dass eine Region eine klare Präferenz zeigt. Die Tradition lebt weiter, und jede aufgeblasene Blase erfüllt ihren Zweck: einen plötzlichen, donnernden Lärm zu erzeugen, der die Karnevalsmengen wachhält. Vorerst bleiben beide Varianten fester Bestandteil der Feierlichkeiten in Baden-Württemberg.