19 April 2026, 04:31

Wie die DDR Joseph Beuys 1988 doch noch ausstellte – trotz aller Vorbehalte

Plakat für die Kunstausstellung secession im Gartenbau, Deutschland, mit einer Person in einem langen Kleid, die einen Stock hält, und fetter weißer Schrift auf einem tiefblauen Hintergrund mit Sternen.

Wie die DDR Joseph Beuys 1988 doch noch ausstellte – trotz aller Vorbehalte

Die strengen Kulturpolitik der DDR hatte Joseph Beuys einst als "unerwünschte Person" eingestuft. Doch 1988, zwei Jahre nach seinem Tod, richtete das Land seine erste und einzige Ausstellung mit frühen Werken des Künstlers aus – ein seltener Wandel in der Haltung gegenüber dem umstrittenen Schöpfer.

Die unter dem Titel "Beuys vor Beuys" präsentierte Schau eröffnete Mitte Januar 1988 im Berliner Marstall und zog später weiter an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wo sie bis Mitte Mai zu sehen war. Gezeigt wurden 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die zwischen 1946 und 1966 entstanden waren.

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Die Verhandlungen, um die Ausstellung in die DDR zu holen, hatten sich über längere Zeit hingezogen. Zunächst sträubten sich die Verantwortlichen, da Beuys' Ruf als gesellschaftlich engagierter Künstler und Demokrat mit der sozialistischen Ideologie kollidierte. Jeder Hinweis auf diese Aspekte wurde in der Schau bewusst weggelassen.

Trotz der Zensur kam die Ausstellung zustande. Selbst Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, räumte gegenüber dem Zentralkomitee der SED Beuys' Bedeutung ein. Die Entscheidung spiegelte eine widerwillige Anerkennung wider: Der Künstler ließ sich selbst posthum nicht länger ignorieren.

Die Ausstellung von 1988 blieb die einzige offizielle Präsentation von Beuys' Werk in der DDR. Sie umfasste frühe Arbeiten, mied jedoch seine politischen und demokratischen Themen. Das Ereignis markierte einen kurzen Moment kultureller Öffnung – kurz vor dem Fall der Berliner Mauer.

Quelle