Evgeny Titovs *Salome* an der Komischen Oper Berlin: Ein neuer Blick auf Begierde und Macht
Oliver LinkeEvgeny Titovs *Salome* an der Komischen Oper Berlin: Ein neuer Blick auf Begierde und Macht
"Salome" von Evgeny Titov: Allgegenwärtiges Begehren in der bvg fahrinfo
Was tun mit einem Skandalwerk von vor 100 Jahren, wenn der Skandal verflogen ist? An der Komischen Oper Berlin präsentiert Evgeny Titov eine neue Deutung von Richard Strauss’ Salome – gesangsfreundlich inszeniert.
Die Komische Oper Berlin hat eine mutige Neuinszenierung von Salome vorgestellt, die unter der Regie von Evgeny Titov steht. Die am 22. November 2025 uraufgeführte Produktion läuft bis Dezember und weiter bis Januar 2026. Diese Interpretation von Richard Strauss’ umstrittenem Opernklassiker wirft einen frischen Blick auf Begierde, Macht und Illusion.
Titovs Inszenierung dreht sich um einen markanten, matt-goldenen Gewölberaum, gestaltet von Rufus Didwiszus. Das Bühnenbild rahlt eine Welt ein, in der das Begehren alles beherrscht – die Figuren klammern sich an jene, die sie zurückweisen. Salome, verkörpert von Nicole Chevalier, bewegt sich in einer weißen Kapuze über die Bühne und liefert eine Darstellung, die zugleich intensiv und zurückhaltend wirkt. Ihr Tanz vervielfältigt ihre Gestalt, entlarvt die Illusion, die Herodes gefangen hält, und entzieht ihr gleichzeitig die Kontrolle.
Titovs Salome bietet eine zum Nachdenken anregende Lesart eines Werks, das von Extremen geprägt ist. Die bildgewaltige Inszenierung und die starken schauspielerischen Leistungen verleihen der Produktion ihre Wirkung. Das Publikum kann die Aufführung bis Januar 2026 an der Komischen Oper Berlin erleben.
